Café Morgenland

Redebeitrag auf der Kundgebung zu den Pogromen in Schönau

Wir begrüßen alle Flüchtlinge aus dem Flücht1ingsheim in Schönau. Wir begrüßen auch alle Migrantinnen und Migranten aus Schönau.

Wir sind ein Teil einer Gruppe von MigrantInnen und Flüchtlingen, die in Frankfurt versuchen, ein Cafe für ausländische Frauen und Männer zu organisieren. Unser Ziel ist es über das Cafe eigene Strukturen aufzubauen, die es möglich machen gegen den uns aufgezwungenen Status als Menschen zweiter und dritter Klasse vorzugehen. Genau so wichtig ist es uns aber gegen den immer spürbarer werdenden Rassismus der weißen deutschen Bevölkerung vorzugehen und für eine Gesellschaft zu kämpfen, die Unterschiede zulässt , ohne sie zu bewerten.

Unser Alltag in der BRD ist gekennzeichnet durch Entrechtlichung, Diskriminierung und rassistische Anmache. Der Nationalchauvinismus und das deutsche Großmachtstreben haben durch die Wiedervereinigung einen neuen Schub erhalten  Das deutsche Volk hat seine Identität wieder gefunden. Hoyerswerda und Hünxe sind keine

Ausrutscher. Sie sindauch keine  Dummjungenstreiche und schon gar nicht zufällig. Seit Jahren wird die angebliche Überlegenheit der weißen Deutschen propagiert, aus der sie das Recht ableiten. Menschen aus anderen Ländern zu erniedrigen, zu schlagen und umzubringen. Die 2370 Angriffe und Anschläge gegen MigrantInnen und Flüchtlinge, die letzten Jahren bekannt wurden, sind verübt worden im Wissen um die besondere Vergangenheit diese Landes. Eine andere Auseinandersetzung mit dieser Vergangenheit hat es hier nie gegeben, sonst könnten nicht selbst die die 30 Jahre später geboren sind, sich heute in dieser Zeit zurückwünschen.

In einer Situation, in der die brutale militärische Gewalt für immer mehr Menschen zum Alltag geworden ist, in einer Situation , wo Menschen verhungern, weil ihre Lebensgrundlage durch den westlichen Imperialismus zerstört wurden, glauben viele Deutsche Ihr Recht auf Mehr mit Stiefeln und Totschlägern durchsetzen zu können.

Menschen aus anderen Ländern werden zum Abschuss freigegeben, ob das nun durch die Medienhetze ist, durch gezielte Kriminalisierung derjenigen, die sich weigern, wie von ihnen erwartet, hier den Wohlstandsmüll wegzuräumen, oder nicht gebraucht werden. Ausländischer Frauen, die versuchen eich dadurch über Wasser zu halten, daß sie ihren Körper, ihren einzigen Besitz verkaufen. Begleitet werden diese Maßnahmen durch eine Verschärfung der rechtlichen Situation, die sich in dem neuen Ausländergesetz und in der Veränderung des Asylverfahrensgesetztes niederschlägt. Auch wenn der Rassismus der deutschen Bevölkerung eine wesentliche Bedingung für die brutaler Ausbeutung Menschen anderer Herkunft ist, so bilden die rechtlichen Mittel doch eine ihrer wichtigsten Grundlagen. Euch Flüchtlingen wurde angeboten euch in die DDR transferieren zu lassen. Auch wenn ihr die DDR vielleicht noch nicht kennt  so dürfte euch der Name Hoyerswerda ein Begriff sein

Hoyerswerda stand nie alleine. Aber die Bürgerinnen in Schönau haben sich bemüht ihre Landsleute im Osten zu übertrumpfen. Sie haben nicht nur geklatscht, als organisierte Rassisten, die Flüchtlingen bedroht und angegriffen haben. Nein, sie haben ihre Sache selbst in die Hand genommen. Und das, was jetzt in Schönau passiert, kann sich Jederzeit Überall in der BRD wiederholen. So weit sind sie wieder.

Als wir mit einigen von euch geredet haben und ihnen über unsere Erfahrungen und Eindrücke berichtet haben, waren viele von euch noch verzweifelter. Wir können euch wirklich nicht viel Erfreulicheres erzählen. Gerade weil wir die Situation so bedrohlich einschätzen, haben wir beschlossen unsere eigenen Strukturen aufzubauen und zu festigen. Wir müssen dennoch einige Worte zu den Deutschen sagen, die vor das Flücht1ingswohnheim gekommen sind, um sich mit euch zu solidarisieren. Trotz Schwierigkeiten und Differenzen, sehen wir in diesen Frauen und Männern, die sich als Linksradikale und Autonome verstehen, einen kleinen Hoffnungsschimmer. In ihrem Versuch mit den Strukturen dieser Gesellschaft radikal zu brechen, sehen wir einen Schritt in die richtige Richtung. Unsere eigenen Strukturen sind derzeit viel zu schwach. Nur wenige ausländische Gruppen treten dem Rassismus offen entgegen, viele Gruppen vertreten nur nationale Interessen, und dies zu Not auch gegen andere Migrantinnen und Flüchtlinge.

Wir haben gehört, daß sich auch einige ausländische Leute aus Schönau bei den Angriffen beteiligt haben. Ihr laßt euch auf die Rolle ein, die sie für uns vorgesehen haben: im Streit um die hintersten Plätze in dieser Gesellschaft greift ihr diejenigen an, deren Situation noch schlechter ist als eure eigene. Ihr stellt euch auf die Seite eurer zukünftigen Mörder! Wie könnt ihr eure eigene Geschichte und die Geschichte eurer Eltern in Deutschland vergessen? Vielleicht hofft ihr, davon zu profitieren, daß ihr scheinbar integriert seid. Letzten Endes aber unterscheiden die faschistischen Schläger nicht. Von den 30 ausländischen Menschen, die letztes Jahr von Rassisten umgebracht wurden, waren zehn länger hier lebende MigrantInnen. Und selbst wenn die Faschisten unterscheiden würden: Wir werden keine RassitInnen dulden oder entschuldigen.

Kein Vergeben, kein Vergessen

Hoch die internationale Solidarität

 
Café Morgenland