Café Morgenland

Der folgende Beitrag von Café Morgenland wurde auf zwei Veranstaltungen in Frankfurt (im Exzess am 23.2. und in der Camera am 10.3.) vorgetragen und zur Diskussion gestellt.

Im Würgegriff der Lichterketten

"Die Situation eines Nazigegners ähnelte dem Schicksal eines normalen Menschen, der zufällig in eine Nervenheilanstalt gesteckt wird, in der alle Insassen an ein und der selben Wahnvorstellung leiden: Unter solchen Umständen wird es schwierig, seinen eigenen Sinnen noch zu trauen. Und es bestand die dauernde Belastung, sich gemäß den Regeln der kranken Umgebung verhalten zu müssen, die schließlich die einzig greifbare Realität war, in welche es sich ein Mensch niemals leisten durfte, den Orientierungssinn zu verlieren. Diese Situation verlangte ein hellwaches Bewußtsein der gesamten eigenen Existenz, eine Aufmerksamkeit, die niemals in die automatischen Reaktionen zurückfallen durfte, mit denen wir den Alltag meistern". (Hannah Arendt).

Kaum sind die Kerzen wieder erloschen und die Panorama-Bilder aus Lichtermeeren und deutscher Innerlichkeit vom Bildschirm verschwunden, kaum sind die Anlagen der "ausländerfreundlichen" Rock-Konzerte "Mein Freund ist Neger" (Das Motto eines ausländerfreundliches Konzertes in FFM) wieder abgebaut, schon werden wir überhäuft von offenen, unverhüllten Sympathien mit den "Guten Deutschen", die den lang ersehnten Schritt in die richtige Richtung getan haben.

"Während in den letzten Jahren Angriffe auf Menschen aus anderen Ländern zur Tagesordnung gehörten, die rassistischen Stimmen zunehmen und die Mehrheit dazu schwieg, ist die Stimmung seit den Morden von Mölln in der Öffentlichkeit umgeschlagen. Seit dieser Zeit gingen bei Großveranstaltungen über 1 Millionen Menschen auf die Straße. Aber auch in vielen kleineren Städten wurden Kundgebungen, Schweigemärsche und Demonstrationen durchgeführt. Seit langer Zeit haben nicht mehr so viele Menschen an diversen Veranstaltungen teilgenommen. Wir begrüßen dieses Engagement und fordern alle dazu auf, weiterhin nicht zu schweigen oder besser noch - einzugreifen. Die bloße Teilnahme an diesen gut inszenierten Großveranstaltungen verkommen zur Farce, wenn die politisch Verantwortlichen nicht genannt werden." (Aktionskalender der antirassistischen-antifaschistischen Aktionswoche)

Fahrplanmäßig sind inzwischen die täglichen Meldungen von Überfällen und Brandanschlägen miniaturisiert worden und in den hinteren Zeitungsseiten versteckt oder ganz verschwunden.
Fahrplanmäßig hat auch ein großer Teil unserer autonomen und linksradikalen Freundinnen und Freunde seine/ihren Notizen von Diskussionsansätzen über die Notwendigkeit einer schonungslosen Kritik an der erdrückenden Bevölkerungsmehrheit bzw. die Konsequenzen daraus ins Archiv gesteckt oder in den Papierkorb geworfen.

In altbekannter Manier wurden wir definitiv über unseren Irrtum aufgeklärt: Motto der Blockade "Die BrandstifterInnen sitzen in Bonn".
Basta! Persilscheine sind montags bis Freitags zwischen 8 und 14 Uhr abzuholen. Samstags-Sonntags geschlossen.

Schade! Nicht mal das Rostocker Exemplar (den mit der ausgestreckten Hand und der verpissten Trainingshose) dürfen wir behalten. Denn "Die BrandstifterInnen sitzen in Bonn". Mindestens den hättet ihr uns aber lassen können. So als Prototyp einer Nation, die ihre Identität wieder gefunden hat.

Spaß bei Seite:

Schon der aufgeworfene Zusammenhang zwischen dem Aufruf zu der Bonner Blockade und den Lichterketten deutet die Kritik an, die wir an bestimmten Inhalten, die zurzeit über Flugblätter oder Plakate verbreitet werden, haben.

Dabei geht es nicht um die Form. Denn es ist offensichtlich, dass es sich optisch zumindest um zwei verschiedene Aktionsformen handelt, geschweige denn, was die Militanz betrifft.
Um dies zu begründen, bedarf es einiger Erläuterungen über unsere Bewertung der "größten Manifestation seit Bestehen der BRD". 
Die Betonung liegt auf BRD. Denn Deutschland hat schon mal aus ähnlichen Beweggründen (Vaterlandsverteidigung) größere Ansammlungen ihrer BürgerInnen und sogar mit viel mehr Begeisterung erlebt.

Auch wenn es keiner mehr hören will: Seit 1990, im Zuge der Wiedervereinigung, hat eine überwältigende Bevölkerungsmehrheit in diesem Land in gewohnter Arbeitsteilung (aktiv oder passiv) begonnen, nichtdeutsche Menschen und deren Kinder zu verbrennen, totzuschlagen, zu verjagen sowie deren Leben, Nacht für Nacht, zur Hölle zu machen.
Sie tauschte die Kerzen der Montagsdemos mit Fackeln und Brandsätzen um und machte sich an die Arbeit.

Sie tat es nicht, weil das kollektive Vergessen über die Taten ihrer Eltern und Großeltern eingesetzt hat, sondern und gerade deswegen: Im Wissen aus kollektiver Erfahrung um die Vergangenheit.

Sie hat weder geschwiegen noch war sie mit ihrem Eingreifen zimperlich. Tausende von Lichtenhagenern und Schönauern, von Goldbergern und Hünxenern, von Hoyerswerdenern und Cottbussern haben das Völkische Moment zu einem konstituierenden Element ihrer Gemeinschaft erhoben.

Die Aufforderung also, noch mehr einzugreifen, bekommt angesichts dieser realen Verhältnisse- auch wenn es nicht so gemeint ist - einen bedrohlichen Beigeschmack.

Im Laufe der Zeit haben sie ihre Angriffe auf alles Undeutsche ausgeweitet: Behinderte, Obdachlose, Homosexuelle usw.

Und weil in diesem Land die Identifikation mit den Pogromen zwangsläufig über die Trümmer von KZ-Gedenkstätten und Jüdischen Friedhöfe läuft, wurden sie ebenfalls zu Angriffsobjekten gemacht.

Diejenigen Deutschen, die denen im Wege standen, sich eingemischt haben, Widerstand geleistet haben, wurden ebenfalls angegriffen bzw. umgebracht.

Die Mehrheit derer, die diese Taten vollbrachten und weiterhin tun, war und ist nicht der Rand, sondern die Mitte dieser Gesellschaft (richtige autonome Weisheit der Neuzeit).

Der Rest der Bevölkerungsmehrheit, der nicht in den Genuss des handelnden Subjekts kommen konnte (denn ein erfolgreicher Brandanschlag setzt das Aufspüren der Opfer, das Observieren des Angriffsobjektes wg. des richtigen Zeitpunkts, Ortskenntnisse sowie weitere logistische Arbeiten voraus), hat sich entweder durch die Live-Übertragungen aufgegeilt oder seinen Vergasungsphantasien vor Gleichgesinntem Publikum in den Stammkneipen bzw. in den vereinten Familienrunden freien Lauf gelassen, sowie jede Gelegenheit genutzt, Angehörige der stigmatisierten Gruppe fertig zu machen.
Dieses Klima dauert schon seit über 3 Jahren an.

Das sog. "Liberale Bürgertum" bzw. die System-Linke hat entweder den unbeteiligten Zuschauer gespielt oder noch schlimmer "Alternativ-Lösungen" aus dem Hut gezaubert: "Quotierungen", "Schnellverfahren" oder gar die TäterInnen zu Opfern erklärt.
Die "in freier und geheimer Wahl" gewählte VolksvertreterInnen taten alles, um den TäterInnen Argumentationshilfe sowie polizeiliche und juristische Unterstützung zu leisten.

Die Rechnung ist aber nur teilweise aufgegangen: Einerseits, weil sie mit der zur Zeit bevorzugten kapitalistischen Rationalität kollidiert, und andererseits, weil es noch zu früh war, um die Meinung im Ausland, die über dieses Land, sein Volk und seine Taten hochkam, zu ignorieren.
Es war etwas zu früh bzw. etwas zuviel.

Darüber hinaus wurde klar, dass dem Anliegen der deutschen Bevölkerung mit solchen Mitteln bei weitem nicht geholfen werden konnte. Effektivere Mittel mussten her. Schnellverfahren bzw. Abschottung und Radar-Anlagen an den Grenzen, organisierte staatliche Terrorisierung der stigmatisierten Gruppe (wg. der Kontrollierbarkeit der Handlungen) usw. bis hin zu Grundgesetzänderung.
Die Verständigung lief in der Art: "Es ist für das Ansehen und den Wohlstand unseres Landes besser, wenn unerwünschte Flüchtlinge in ihrem Land umgebracht oder ausgehungert werden, statt in Hoyerswerda, Schönau oder Rostock".

Deswegen gehen wir auch davon aus, dass die Mehrheit der Lichterkettengestalten und -gestalter gegen die blutige Variante des Rassismus (Nazis) sind.

Übrigens auch eine ganze Menge Lichtenhagener waren nach den Pogromen gegen die Glatzen, "als deren Trabis brannten".

Dieser Konsens bedurfte aber einer politischen Manifestation. Eine, die sowohl der Tradition als auch dem Bewusstsein der deutschen Bevölkerung entspricht.

Bekanntlich erzeugt das reinigende Feuer in diesem Land eine besondere Faszination. Es ist sozusagen fest im Alltag verankert "Es wird nicht lange gefackelt", sagt der deutsche Volksmund. Und meint das ernst. Aufgrund der Vergangenheit durfte aber diese Assoziation nicht hochkommen. Sonst wäre ja der Trick aufgeflogen. 

Stellt euch folgenden Zeitungstitel vor: "Fackelzüge marschieren am Brandenburger Tor gegen Ausländerfeindlichkeit". Wer würde so was noch abnehmen? Auf das Symbol "reinigende Flammen" verzichten konnte man nicht, sonst wären die Massen ja nicht angezogen worden. Man entschloss sich zu dem Kerzenkompromiss. Handlich, religiös, mehrfach verwendbar. Entgegen anders lautenden Gerüchten sogar umweltfreundlich. Das Ganze wurde mit modernem Know-how von Werbeagenturen umhüllt. Na, dann los.

Da die Organisatoren (im Gegensatz zu vielen Linken) dieser Bevölkerung mitnichten trauten, wurde in Medien und über Flugblätter (wie in Berlin) vehement darauf hingewiesen, dass keine Fackeln mitgenommen werden dürfen (sicher ist sicher).

Es waren auch weitere Gründe, die zu dieser Massenhaftigkeit beigetragen haben: Die Einsicht in die (kapitalistische) Notwendigkeit: Unsere Ausländer sichern unseren Wohlstand.

Tausendfach nach den Morden in Mölln wiederholt. Mit Zahlen belegt. Mit Fakten gedroht. Und es war so zu nehmen, wie es gesagt wurde. "Unsere" Ausländer. "Unser" Wohlstand.

Für einen großen Teil der deutschen TeilnehmerInnen der Lichter- und Rockkonzert-Ketten schien das außerdem ein willkommener Anlass zu sein, mit sich selbst ins Reine zu kommen. Für viele "war es zum ersten mal möglich, stolz darauf zu sein, ein Deutscher zu sein". Dies scheint uns eine zweite wichtige, nach innen gerichtete, Funktion zu sein.

Der Phönix taucht nun im Lodern des Kerzenscheins, angeblich vom Schatten der Vergangenheit geläutert, wieder auf. 

Und schließlich, der lang ersehnte Sommer-Urlaub schien unangenehm zu werden. Damit hat die Bild-Zeitung mehr mobilisiert als alle Aufklärungskampagnen zusammen. Titelseite: "Deutscher im Ausland bespuckt". Da muss man was tun. Kein Reisebüro kann das erledigen oder das Risiko wg. Schadensersatz übernehmen.

Und es kamen alle. Die kirchlichen und zivilen Repressionsinstitutionen (Pfaffen und Polizei) haben das Organisatorische übernommen. Politiker und ihre Wähler bildeten die Füllmasse. Der Pakt mit dem Pack war komplett (nicht nur in Rostock).

Kilometerlange Ketten haben während der SPD/CDU-Verhandlungen über die Abschaffung des Asylrechts die Voraussetzungen bzw. die Kulissen geschaffen, um die Einigung in Sache Asyl zu erzielen. Wieder mal kannte dieses Volk keine Parteien und keine Ideologien mehr. Insbesondere dann nicht, wenn das "Ansehen unseres Landes", wie die Weizsäckers zu sagen pflegen, in Gefahr ist. 

Nicht mal das Minimum an Taktgefühl waren sie bereit vorzuweisen:

Der Oppositionsführer Engholm ging vormittags zur Besichtigung des ausgebrannten Hauses in Mölln und nachmittags zu den Asylverhandlungen.

Dieses Zeichen ist millionenfach richtig verstanden worden. 

Es war klar, worum es geht. 

Kilometerlange Ketten haben dieses gute Gewissen geschaffen, mit dem man im Alltag ohne Makel seinen Rassismus ausleben kann.

Kilometerlange Ketten haben das Gefühl, eine betroffene Volksgemeinschaft zu sein, wieder belebt, nach dem dies durch den Ost-West Konflikt (Ossis-Wessis) arg strapaziert wurde.

Was wir vorhin mit dem Marsch am Brandenburger Tor ironisch sagten, ist inzwischen eine ekelhafte Realität geworden: In Magdeburg sind die Lichterketten gegen die Bombardements der Alliierten im 2. Weltkrieg und gegen Ausländerfeindlichkeit gelaufen bzw. gestanden. In Leipzig ebenfalls. Dazu kamen noch die Großmacht-Ambitionen: "Solidarität mit Sarajevo".

Es war also sozusagen jeden Tag eine Tag-X. Dort auf den Straßen der großen und kleinen deutschen Städte ist die Entscheidung für die Abschaffung des Asylrechts gefallen. Bei den groß angelegten Manifestationen und bei den Gottesdiensten. In unzähligen Versammlungen und Veranstaltungen.

Im Bundestag werden nur noch die parlamentarischen Spielregeln durchgekaut.

Wenn also die Aufforderung nicht zu schweigen einen Sinn haben soll, dann und zuerst an die deutsche Linke: Zwischen den Herrschenden und den Nazis bzw. Glatzen liegt nicht die große Unbekannte, sondern die Mitte dieser Gesellschaft. Da sie fast 80 Millionen inzwischen umfasst, ist sie nicht zu übersehen. Nicht zu übersehen ist es auch, dass sie ganz klar artikulierte Interessen hat, die durch den Asyl-Beschluss zum größten Teil wahrgenommen werden.

Sie zu ignorieren oder schlimmer noch zu loben für die Wahrnehmung ihrer Interessen (die nicht die Interessen der Flüchtlinge sind), kann nicht mehr als eine Flapsigkeit betrachtet werden.

Es ist ein fundamentaler Unterschied, ob die Legislative (deutsches Parlament) Gesetze verabschiedet, damit die Exekutive und nicht der Mob die Angriffe gegen die stigmatisierte Gruppe übernimmt oder ob ein Gegensatz zwischen Herrschenden und "Beherrschten" in Sache Asyl suggeriert wird.

Warum aber dieses Verhalten ?

Nun, die Geschichte ist ja in der Tat verlockend, so dass Mann/Frau sie gern für die Wirklichkeit hält. Alle Fragen, die bisher nicht befriedigend beantwortet werden konnten, erübrigen sich. Es gibt also doch nichts Besonderes in diesem Land, hallt es triumphierend aus den Leerstellen zwischen den Zeilen. Mann/Frau kann fortfahren, Politik zu betreiben wie bisher. Mann/Frau kann fortfahren mit jenen mysteriösen Versuchen, die Bevölkerung durch sozialarbeiterische Umarmungen schleichend zu vereinnahmen. Mann/Frau kann weiterhin Politik aus seinen/ihren nationalen Bezugsrahmen und Perspektiven herausmachen, in der Fremde nur als exotische Randfiguren, als Objekte der eigenen Praxis vorkommen. So strotzt der Bonner Aufruf nur so vor Altruismus und Moral. Keinen Gedanken scheint Mann/Frau daran verschwendet zu haben, dass auch die direkt Betroffenen ihre Sache in die Hand nehmen könnten.

Dort im Deutschen-Parlament wird der letzte Akt eines schmutzigen Theaters gespielt. In diesem Zusammenhang (wie oben erwähnt wurde) ist es richtig und wichtig unseren Protest auszudrücken:

Es geht uns, dies dürfte soweit klar geworden sein, mitnichten darum zu zeigen, dass es in diesem Land auch gute Deutsche gibt, die für den Erhalt elementarer Grundrechte kämpfen. Es geht uns darum dieses Land der BrandstifterInnen öffentlich international zu denunzieren.

Weil wir wissen, was es bedeutet wenn der deutsche Staat sich den rassistischen Handlungsbedarf der Bevölkerung zu Eigen macht.

Diese Bevölkerung hat gerade letzten Sonntag in Hessen wieder mal den Wahlschein als Waffenschein benutzt und sich für das Original entschieden.

Wir bleiben dabei: Die BrandstifterInnen sitzen überall. In Nachbarshaus und in Bonn. Bei den Institutionen und in der U-Bahn gegenüber.

Im Wissen um die Freude von Millionen von "Wählern" bei Verabschiedung des Gesetzes wollen wir denen in Parlament und denen auf dem Fernsehsessel - so weit wie möglich - die Laune verderben. Daher rufen wir auf nach Bonn nicht wegen sondern trotz solcher Aufrufe. Aber auch um uns auf die Tage danach vorzubereiten.

Denn wenn die Bühnenlichter ausgemacht werden, wenn die Hauptdarsteller und die Komparsen nach getaner Arbeit sich zurückziehen werden, werden wir anfangen müssen mit dem Scherbenhaufen, der hinterlassen wurde, aufzuräumen. Es wird eine langwierige und anstrengende Geschichte werden. Denn die Zeichen, die durch Lichterketten und andere Formen des Germanen-Kults gesetzt wurden, werden uns - entgegen anders lautenden Verlautbarungen - mehr zu schaffen machen als das klare Feindbild der Glatzen.

Im Wissen jetzt über die Fähigkeiten dieser Population (wir trauen denen nach wie vor alles zu) werden wir unseren Blick weiterhin schärfen auf diejenigen, die ihre Haare wieder wachsen lassen und auf diejenigen, die sich nie geschoren haben.

Es ist höchste Zeit, dass sich die, denen das Privileg sich in der BRD niederzulassen noch zuteil wurde, sich selbst endlich offen und sichtbar gegen den rassistischen Konsens organisieren und schützen.

Wir wollen die Gelegenheit nutzen um deutlich zu machen, dass wir eigenständige politische Subjekte sind, die für die Abschaffung aller Sonderrechte für Menschen ohne deutschen Pass eintreten.

Diese Punkte und die Schaffung eines effektiven MigrantInnen-Drucks gegen das Ausleben des Rassismus in diesem Land werden mittel- und langfristig über unseren weiteren Verbleib in diesem Land entscheiden. Bis dahin: Nadelstiche und subversive Migration.

Denn wir werden nie mehr vergessen, was bisher gelaufen ist.

Nie wieder werden wir uns auf unsere Phantasie verlassen, über das was hier möglich ist. Sie ist - angesichts der bisherigen Erfahrung - unbrauchbar.

"Das Beunruhigende an der Person Eichmanns war doch gerade, daß er war wie viele und dass diese vielen weder pervers noch sadistisch, sondern schrecklich und erschreckend normal waren und sind." (Hannah Ahrendt, "Eichmann in Jerusalem") 

Wenn Du von RassistInnen angegriffen wirst, muss Du dafür sorgen, dass sie es NIE WIEDER tun.

 

Café Morgenland                                                                                                                             Frankfurt a.M., 23.02.1993
 


(ein Interview-Ausschnitt)

"STERN: Warum sind Sie denn in der Krawallnacht überhaupt nach Lichtenhagen rausgefahren?
EWERT: Aus Neugierde. Wir hatten das im Fernsehen gesehen. Die Nachbarn sind auch alle mitgefahren.
STERN: Und warum haben Sie den Hitler-Gruß gemacht?
EWERT: Das ging ganz automatisch.
STERN: Sind Sie ein Rechter, Herr Ewert?
EWERT: Ich bin kein Nazi. Mit Schönhuber und den Glatzen hab' ich nichts am Hut.
STERN: Was halten Sie denn von den Ausländern?
EWERT: Die sollen sie vernünftig unterbringen. Und die Ausländer sollen sich anständig benehmen, ihre Kinder in die Schule schicken und nicht zum Betteln.
STERN Sie sehen auf dem Bild nicht gerade taufrisch aus.
...
STERN: Was würden Sie gerne machen?
EWERT: Ich möchte mal wieder auf der Landstraße liegen, mit einem vernünftigen LKW."

(Ewert ist der Typ mit der verpissten Hose in Rostock)

 
Café Morgenland