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Ochtendung - Pressemitteilung

Am 8. Mai 1995 jährt sich zum fünfzigsten Mal der Tag der Befreiung der KZ-Häftlinge und der Bevölkerung der von Deutschland okkupierten Ländern durch die Alliierten, sowie der Kapitulation Deutschlands und seiner Volksgemeinschaft. Diesen Tag nehmen wir, MigrantInnengruppen und deutsche antifaschistische und antirassistische Zusammenhänge zum Anlaß am 7. Mai mit einer Demonstration in Ochtendung unseren Protest und unsere Abscheu gegen den Verjährungsbeschluß des Bundesgerichtshofes der Verbrechen des Wehrmachtsoffiziers Wolfgang Lehnigk-Emden auszudrücken. Lehnigk- Emden hat 1943 22 ZivilsitInnen im süditaliensichen Caiazzo auf bestialische Art ermordet. Daß seine Verbrechen für ihn ohne Konsequenzen blieben, verdankt Lehnigk-Emden nicht nur der Tatsache daß derartige Verbrechen in Deutschalnd selten gerichtlich geahndet werden und deutsche Kriegsverbrecher auch nicht ausgeliefert werden (in Italien ist Lehnigk-Emden wegen zwölffachen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilt), sondern auch der Bevölkerung Ochtendungs. Auch die Bekanntgabe seiner Verbrechen tat seiner Karriere als SPD-Kommunalpolitiker, Architekt und Karnevalspräsident keinen Abbruch.

Obwohl wir uns durch diese Tatsachen berechtigt und sogar verpflichtet sehen, wenigstens diese Demonstration durchzuführen, haben wir eine Genehmigung beantragt. Wir gehen davon aus, daß uns diese auch erteilt wird. Wir denken, daß die politisch Verantwortlichen bis auf Weiteres bei derart sensiblen Themen "Rücksicht auf das Ansehen Deutschlands im Ausland nehmen". Wir haben aber vorsorglich bereits entschieden, daß wir unabhängig von diese Entscheidung die Demonstration durchführen werden. Die Auftaktkundgebung findet am Platz vor der Kirche statt, nach einer Zwischenkundgebung vor der Synagoge, die in der sog. "Kristallnacht" verbrannt wurde, führt die Route am Haus von Wolfgang Lehnigk-Emden vorbei und endet am Platz vor der Kirche.

Zu der Demonstration ist der Sprecher des Kommitees der Angehörigen der Opfer von Caiazzo eingeladen worden. Weitere Redebeiträge sind von MigrantInnen- und deutschen antifaschistischen und antirassistischen Gruppen vorgesehen.

Für weitere Informationen steht das Infotelefon "Caiazzo" 069-703337 Montags und Donnerstags von 19-21 Uhr zur Verfügung.

MigrantInnengruppen in der BRD

30. April 1995

 

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