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Auf nach Ochtendung!

Am 13. Oktober 1943, in der italienischen Kleinstadt Caiazzo, 80 Km nördlich von Neapel, haben deutsche Soldaten der Wehrmacht unter dem Kommando des Leutnants Wofgang Lehnigk-Emden 7 Zivilisten

(4 Männer, 2 Frauen und einen 14-jährigen Jungen) hingerichtet, weil sie angeblich versucht hatten, den herannahenden Amerikanern Lichtzeichen zu geben.

Wenig später metzelten sie weitere 15 Menschen - 5 Frauen und 10 Kinder - mit Handgranaten, Bajonetten und Pistolen nieder.

Das jüngste Opfer, die kleine Elena, war gerade 3, das älteste 77 Jahre alt.

Die Augenzeugen, die das Massaker damals entdeckten, berichten von zerstückelten Körperteilen, von vergewaltigten und anschließend mit Bajonetten verstümmelten Frauenkörpern.

Am 1. März 1995 erklärte der Karlsruher Bundesgerichtshof (BGH) die Greueltaten des Leutnants Wolfgang Lehnigk-Emden für verjährt.

Begründung - die Verjährungszeit läuft ab dem Zeitpunkt des Massakers und nicht erst ab dem Zeitpunkt der Konstituierung der BRD. Denn - laut BGH-Urteil - hätte die Wehrmacht dies gewußt, hätte sie das Massaker bestraft ! Mit anderen Worten, es wird der Wehrmacht Rechtstaatlichkeit, Humanität und Gerechtigkeit bescheinigt!

Somit wird von der höchsten Instanz der BRD wieder einmal die Revision der Geschichte und die gleichzeitige Reinwaschung der Vernichtungsfeldzüge der Wehrmacht gegen die Zivilbevölkerung in den eroberten Ländern vorangetrieben.

Zur Erinnerung: Dem Ex-Minister für Staatssicherheit der Ex-DDR und Politbüromitglied der SED, Erich Mielke, wurde wegen des ihm angelasteten Mordes an zwei Polizisten aus dem Jahr 1931 (!) keine Verjährung eingeräumt.

Der Kriegsverbrecher Wolfgang Lehnigk-Emden lebt als angesehener Architekt, als SPD-Kommunalpolitiker, als Aktiver der Arbeiterwohlfahrt, als Mitgründer des örtlichen Verbandes der Kriegsopfer und Hinterbliebenen und als Präsident der "Großen Ochtendunger Karnevalsgesellschaft" im rheinland-pfälzischen Ochtendung.

Er muß ganz zufrieden sein. Nicht nur wegen des Urteils. Das ganze Dorf - insbesonderes nach Bekanntgabe seines Verbreches - steht voll auf seiner Seite: ein sicheres Hinterland! Ein Fernsehteam, das im Dorf drehen wollte, ist von der dort ansässigen Volksgemeinschaft verjagt worden.

Hervorzuheben wäre seine Beliebtheit als Karnevalspräsident. Das einzige was sie deswegen bedauern und unverhüllt vor den Fernsehkameras äußern ist, daß er wegen dieser "Anschuldigungen" als Vereinspräsident zurücktreten mußte. Und daß ihr Dorf jetzt in die Schlagzeilen geraten ist. Sonst keine Probleme: "Es war schließlich Krieg" und "was wollen Sie denn?".

Sein Sohn wundert sich über die Reaktion der Angehörigen der Opfer:"Diese Itaker(= Schimpfwort für Italiener, d.V.) sind zu emotional". Er will damit sagen, daß sein Volk schon andere zahlenmäßig größere Verbrechen veranstaltet hat. Und jetzt wegen 22 Zivilisten so viel Wirbel !

Die SPD wollte ihre Entscheidung - ob er aus der Partei ausgeschlossen werden soll oder nicht - vom Urteil des BGH abhängig machen. Schließlich kann man verdiente Kommunalpolitiker nicht so einfach hängen lassen. Das Urteil ist gefällt, er kann bleiben.

Auch der Karnevalsverein kann aufatmen. Sein Organisationstalent und seine -erfahrung eignen sich für beides: für Vernichtungsfeldzüge und für Faschingsumzüge; beides für das Gemüt der deutschen Heiterkeit. Seine "Tapferkeit" hat sich wieder gelohnt ("Hätte ich gewußt, daß man mich später dafür einsperrt, hätte ich noch viel mehr Leute umgebracht", prahlte er vor seinen Mitgefangenen als er von den Amerikanern verhaftet wurde).

Für diese 14-tägige Gefangenschaft hat Wolfgang Lehnink-Emden beim BGH Haftentschädigung beantragt !

Nach der umfangreichen Berichterstattung des "BGH-Skandals" in der deutschen Presse herrscht wieder Ruhe im Land.

Wir können es ebenfalls ruhen lassen. Oder unbedingt dafür sorgen, daß das Verbrechen nie vergessen wird. Daß der glückliche Ochtendunger Mob nicht ohne weiteres zur Ruhe kommt.

Wir haben uns für das zweite entschieden.

Wir, u.a. MigrantInnen aus Ländern, in denen die deutsche Wehrmacht gewütet hat (in Griechenland z.B. wurden für jeden von den Partisanen getöteten deutschen Soldat 10 Zivilisten umgebracht, für jeden getöteten deutschen Offizier ALLE EinwohnerInnen des am nächstliegendes Ortes - meistens Frauen, Kinder und ältere Menschen, die nicht rechtzeitig fliehen konnten - umgebracht und der Ort dem Erdboden gleichgemacht), werden dafür sorgen müssen, daß das Verbrechen, der Verbrecher, seine BeschützerInnen und das Land, das sie beherbergt, vorgeführt werden.

Sie haben dafür gesorgt, daß es durch ihre Greueltaten keine Überlebenden gab. Die Annahme, daß sie dadurch in Ruhe gelassen werden, erweist sich als Trugschluß: Sie werden immer und immer wieder mit den Nachkommen ihrer Opfer konfrontiert.

Denn noch gibt es diese Chance der Offenlegung des Deutschtums und seiner Verbrechen. Noch können sie sich mit Kriegsverbrechern, die noch leben, identifizieren und somit ihre Vernichtungsbereitschaft artikulieren bzw. ihre "Normalität" bloßlegen.

Anläßlich des 8. Mai, 50 Jahre nach der Kapitulation Deutschlands und seiner Volksgemeinschaft (erbitterter Widerstand bis zum Ende), 50 Jahre nach der Befreiung der überlebenden KZ-Häftlinge und der besetzten Länder, wollen wir dorthin gehen zu demonstrieren, wo konkret der nachträgliche Sieg über die Geschichte dieser Population artikuliert wird.

Dort, wo die Zeit (immerhin 50 Jahre danach) keine Risse in der Kontinuität des völkischen Zusammenhalts erzeugt.

Daher wenden wir uns an alle, die das Ganze nicht einfach hinnehmen wollen mit der Aufforderung, gemeinsam am 7. Mai 1995, vor Ort (Ochtendung) zu demonstrieren.

Kein Verjähren, kein Vergeben, kein Vergessen!

MigrantInnengruppen in der BRD

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AUFTAKTKUNDGEBUNG: Ortsmitte, Platz vor der Kirche (es gibt nur 1)

BEGINN: 15.00

REDEBEITRÄGE: MigrantInnengruppen sowie der Sprecher des

"Kommitees der Angehörigen" (wurde eingeladen)

ANFAHRT: Über die A48, Ausfahrt Ochtendung

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