Café Morgenland

Dem rassistischen Normalzustand entgegnen!

Seit einigen Tagen formiert sich im Stadtteil Gallus in Frankfurt, insbesondere in der Schwalbacherstr. und Lahnstr. ein uns aus anderen Gegenden und Stadtteilen bekannter rassistischer Mob gegen Roma-Familien, die sich auf den o.g. Straßen treffen bzw. dort leben.

Die Formierung dieses völkischen Kollektivs ist soweit vorangeschrietten, daß nicht „nur“ die Polizei auf die  Roma-Familien gehetzt wird, daß nicht „nur“ um das Einschreiten des Ordnungsamtes bemüht wird, sondern inzwischen auch eine Unterschriftensammlung unter einem rassistischen Pamphlet als Aufforderung an den Ortsbeirat 1 (Gallus) zur Vertreibung der Roma-Familien initiiert wurde.

Da der Inhalt des Protest- und Pogrom-Aufrufes haargenau dem aus anderen Ortschaften (Nordend, Riederwald usw.) bekannten rassistischen Dreck entsprechen (viele Kinder, Lärmbelästigung, Umweltverschmutzung usw.), wird darauf nicht näher eingegangen.

Und alles läuft so selbstverständlich wie offen ab (die InitiatorInnen haben kein Problem ihren Name und Adresse anzugeben - weswegen auch?). Als ob es sich nicht um Menschenjagd sondern um die Errichtung z.B. eines Zebra-Streifens handelt.

Rassistischer Normalzustand in Deutschland!

Was dann kommt, ist das übliche Ritual:

- erst wird der Ortsbeirat das Anliegen seiner „Protestwähler“ annehmen (die Zulassung eines solchen Antrags erfüllt bereits diesen Tatbestand).

- dann werden Repressions- und Befriedungsapparate (Polizei, Gesundheitsamt, Multi-Kulti-Amt, KAV usw.) eingeschaltet und

- anschließend werden sie vertrieben, um den gleichen rassistischen Dreck wieder von vorne anderswo zu ertragen. „Bestenfalls“ werden sie zu einem abgelegenen Ort verlegt, um den rassistischen Blick nicht mehr zu stören.

Und für den Fall, daß diese „ganz normalen BürgerInnen und Bürger“ keinen Erfolg mit ihrem Anliegen erzielen, dann erledigen sie es selbst. Die Drohung in ihrem Flugblatt ist eindeutig: „Die Bewohner unseres Viertels haben sich trotz vieler Unzumutbarkeiten in den letzten Jahren, immer tolerant gezeigt. Aber die jetzigen Zustände können nicht hingenommen werden.“

Und wenn deutsche „tolerante“ Bürger nicht mehr „tolerant“ sein wollen und die jetzigen Zustände sie nicht mehr „hinnehmen“ können, dann weiß jeder was damit gemeint ist: Die „Brüder und Schwester“ in Rostock, in Manheim-Schönau und -Waldhof und anderswo konnten ab einem Zeitpunkt auch nicht mehr „tolerant“ sein.

Daher betrachten wir es als notwendig, Diskussionen - auch wenn sie gut gemeint sind - über die rassistsichen Argumente und Klischees gegen Roma nicht zuzulassen.

Denn das „Debattieren“ darüber ob die Bedienung des Klo-Spühlmechanismus ein „Zivilisationsmerkmal“ ist oder ob die Roma-Familien Lärm machen oder ob es 40 oder „nur“ 10 Leute sind, legitimieren die rassistischen Argumente.

Die einzige Diskussion, die zulässig ist, ist die um das eigentliche Problem: Um die Physiognomie und das Gefahrenpotential der TäterInnen und ihrer UnterstützerInnen.

Um dem rassistischen Treiben ein Ende zu setzen, rufen wir all diejenigen auf, die etwas dagegen unternehmen wollen, gemeinsam über das weitere Vorgehen zu diskutieren und konkrete Schritte zu vereinbaren.

Treffpunkt: Am 2. Juli ’96 im Gallus, Sulzbacherstr. 16, um 20.00

Die Strassen denen die sie bewohnen

MigrantInnen-Gruppe Cafè Morgenland,  Frankfurt

 
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