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Bolong Jamba hatte keine Chance!

Seit Montag, den 27.01.97 läuft im Landgericht Stade der Revisionsprozeß gegen den 56-jährigen deutschen Wilfried Schubert aus Buchholz wegen Tötung des 19-jährigen schwarzen Asylbewerbers Bolong Jamba aus Gambia. W.S. hatte ein Messer dabei, mit dem er sein Opfer am 7. Dezember 1993 massakrierte (mehrere tödliche Messerstiche in Bauch, Genick und Hals).

Bolong hatte keine Waffe und keine Ahnung, daß der nette Familienvater, der ihm im Zug Hamburg-Bucholz gegenüber saß, kurz danach sein Mörder sein würde. Damit ist alles über das Motiv, den Täter und das Opfer gesagt. Das ist es anscheinend nicht! Zumindest in dem im Jahr 1995 stattge-fundenen Prozeß gegen W.S. wurde es anders gesehen. W.S. wurde wegen Notwehr freigesprochen. Mit dem Einverständnis der Anklage (Staatsanwaltschaft). Denn er fühlte sich bedroht. "Sich bedroht fühlen" ist ein subjektives Empfinden, d.h. es zählt nicht ob es eine Bedrohung gibt oder nicht, sondern einzig und allein das Empfinden eines weißen Deutschen beim Anblick eines schwarzen Menschen. Dazu noch eines Asylbewerbers. Der nicht dazu gehören darf. Weder in diesem Land noch im 1.Klasse-Waggon. Das ist deutscher Alltag.

Schon am ersten Tag des Revisionsprozesses wurde eine Täterphysiognomie ersichtlich, die das ganze Ausmaß der tatsächlichen Bedrohung, der wir tagtäglich ausgesetzt sind, offen legte: Seine ganze Sorge nach der Tat galt seinen einbehaltenen Lebensmitteln. Auch am nächsten Tag rief er fordernd die Polizei an, um seine Lebensmitteltüten endlich zurückzubekommen! Seine Tat selbst? "Ich hab nicht gemerkt, daß Bolong verletzt wurde". Das ist die Haltung von jemandem, der "minderwertiges" Leben wie Ungeziefer eliminiert ohne mit der Wimper zu zucken ("Schwarze sind für mich keine Menschen", gab er im ersten Prozeß an). Mit der Zufriedenheit eines Handwerkers nach getane Arbeit. Seelenruhig. Bis heute.

Wir nennen das "das german problem". Millionenfache W.S.-Kopien laufen frei herum. JedeR ist für uns eine potentielle Bedrohung.

Der Rest ist der hier übliche Dreck: Die einen machen aus einem deutschen Täter das eigentliche Opfer (Die ZEIT). Andere stellen ihn als Ausnahme, als Problemfall dar (Hamburger Morgenpost). Nun, wir können hier keine Besonderheit entdecken.

Im Gegenteil: Ob ein deutscher Biedermann zum Mörder wird, hängt meist nur davon ab, ob er ein Messer oder einen Benzinkanister und eine Gelegenheit dazu hat. W.S. hatte ein Messer und eine Gelegenheit. Er hat seine Chance genutzt. Bolong Jamba bewegte sich in diesem Land ungeschützt. Er hatte keine Chance !

Üblicherweise würde man/frau an dieser Stelle irgendwelche Forderungen an die Justiz, an die MigrantInnen, an die Öffentlichkeit, an irgend jemand erwarten.

Dafür ist es längst zu spät! Hier hat all das keinen Sinn mehr!

Vielleicht hilft es ein wenig, solange es geht, das Ausland zu mobilisieren. Auf dieses Land zu zeigen. Zu was seine Einheimischen wieder oder besser gesagt immer noch fähig sind. Welche Geborgenheit sie von ihrer deutschen Justiz erfahren, wenn sie nur mal einen "Bimbo", wie W.S. schwarze Menschen nennt, zur Strecke bringen. Wie verständnisvoll die deutsche Staatsanwaltschaft solche Freisprüche akzeptiert. Und wenn alles nichts hilft, wird kräftig psychologisiert. Damit aus einem kaltblütigen Täter ein mitleiderregendes Opfer wird. Oder es wird aus dem Opfer ein "krimineller Ausländer" (DIE ZEIT spekulierte ob Bolong Jamba vielleicht doch ein Dealer war).

Alles ist erlaubt. Nur eins nicht: Den Fall als repräsentativ für Land und Leute zu betrachten!

Daher haben wir, solange wir uns nicht wehren lernen, keine Forderungen zu stellen. Wohl aber eine Aufforderung an uns: Uns nie mehr ohne Selbstschutz im Land der Deutschen aufhalten! Es ist lebensgefährlich!

 

Wenn RassistInnen angreifen, sorge dafür, daß sie es nie wieder tun!

 

MigrantInnen-Gruppen "Cafè Morgenland"(FFM), "KoXüz"(Berlin), "Dirna"(Hamburg)

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UnterstützerInnen: AK-Kassiber(Berlin), 8.Mai-Gruppe im antinationalen Büro(Hamburg), Gruppe Ratio Rausch Revolution(Hamburg), Hamburger Bündnis zur Unterstützung der Überlebende des Lübecker Brandanschlages vom 18. Jan., Gruppe 42(Oldenburg), Grevesmühlener Gruppe(Berlin)

 

 

Kundgebung am 10.02.97, um 11.30 vor dem Landgericht Stade (in der Nähe von Bahnhof)

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