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Wehrmachtsausstellung, Goldhagendebatte und andere exhibitionistische Formen des Germanenkults

"Ich werde jeden Menschen nach dem Kriterien der gegenwärtigen Realität messen, daran, was er in unseren Verhältnissen war oder gewesen wäre. Um mir über jemand eine Meinung zu bilden, um ihn zu schätzen oder nicht zu schätzen, zu lieben oder nicht zu lieben: letzten Endes wird das alles davon abhängen, wie seine Haltung, seine psychische, physische und moralische Reaktion in diesen düsteren Jahren großer Prüfungen war oder gewesen wäre ." (aus dem Tagebuch von Hanna Lèvy-Hass, Überlebende des KZ Bergen-Belsen)

Ein Volk ohne Raum

Sie haben gemordet und massakriert. Sie haben einen ganzen Kontinent in Schutt und Asche gelegt. Sie haben Dörfer und ganze Landstriche den Erdboden gleich gemacht. Sie haben Jung und Alt, Kinder und Greise, Frauen und Männer, Serben und Russen, Griechen und Franzosen, Polen und Tschechen, Juden, Roma und Sinti und viele andere vernichtet. Ihrer Vernichtungsphantasie war grenzenlos. Sie haben Frauen und Kinder in Scheunen, Schulen oder Kirchen eingesperrt und verbrannt. Sie haben Männer an die Wand gestellt und erschossen. Und dabei haben sie ihre Erinnerungsfotos gemacht. Und Briefe an ihre Liebste zu Hause geschrieben, in der sie mit Stolz über ihre Taten berichteten.

Viele von diesen Taten wurden nach vordefinierten Regeln begangen. In Griechenland z.B. war die Regel so, daß für die Tötung eines Wehrmachtssoldaten durch die Partisanen, 10 Zivilisten des nächstliegenden Ortes als Vergeltung erschossen wurden. Für die Tötung eines Wehrmachtsoffiziers wurde der nächstliegende Ort samt seiner Einwohner dem Erdboden gleich gemacht. Die griechische Partisanen-Armee (ELAS) gehörte zu einer der erfolgreichsten Widerstandseinheiten. Es ist also leicht sich vorzustellen, was an Vergeltungsaktionen im ganzen Land - wie in anderen Länder auch - gelaufen ist.

Ein Beispiel: Von den 26 Dörfern in Zagori (Berggegend in Ipiros) sind nur 6 übrig geblieben. Die Überlebenden in dieser Gegend sprechen nicht von "der Wehrmacht" oder von "der SS". Sie sprechen von "den Deutschen". Unfähig wie sie nun mal sind, die feinen Unterschiede, die hier im Lande zum Ritual erhoben wurden, wahr zu nehmen. Sie weigern sich nämlich zu differenzieren, ob der eine Teil ihrer Angehörigen durch die SS und der andere Teil durch die Wehrmacht ermordet wurde.

Und genau diese deutsche Wehrmacht war die entscheidende Voraussetzung und die unabdingbare Bedingung als technisches bzw. militärisches Mittel für die Vernichtung der europäischen Jüdinnen und Juden. Es bleibt dabei: Ohne Wehrmacht kein Holocaust (und ohne Deutschland keine Wehrmacht).

Alles in allem nennen sie bis heute ihre Taten "Kriegsführung".

Diese "Kriegsführung" hat dafür gesorgt, daß Orte wie Lidice, Kalavrita, Babij Yar, Cajazo und Tausend andere prägender Bestandteil der Geschichte des jeweiligen Volkes wurden. Und je mehr das wiedervereinigte Deutschland heute brüllt, desto mehr werden die Erinnerungen wieder wach. In diesen Orten erfahren in letzter Zeit die jährlichen Trauerfeiern eine steigende Beteiligung, um den Toten zu gedenken und um zum 52sten mal "Nie Wieder" zu bekräftigen. Längst nicht mehr als Ritual, sondern als Ausdruck einer nicht mehr loszuwerdenden Bedrohung wie schwarze Wolken im Himmel, die immer mehr und dichter werden.

All das ist seit über 50 Jahren - auch und vor allem - im Land der Täter bekannt. Es entstand ein zahlreiches Material - Filme, Dokumentationen, Literatur, Fotos, Erzählungen, Aufzeichnungen und Büchern von Überlebenden, Historikerstudien, Veranstaltungen, Diskussionen usw.. Eine Frage ist, ob all das etwas gebracht hat, irgendwelche Wirkung gezeigt hat. Nicht aber die Frage, ob die Nachkommen der TäterInnengeneration davon etwas wußten. Denn selbst wenn einige kaum mit diesen Informationen in Berührung gekommen sind, wußten sie aus erster Quelle (von Eltern, Großeltern, Onkeln und Tanten, aber auch von den sorgsam aufgehobenen und aufbewahrten Fotos, Frontbriefe und anderen Dokumenten), was damals abging.

Denn gerade diese Familiendokumente wurden als Fundus, als wesentliches Material, sowohl von Goldhagen als auch für die Wehrmachtsausstellungs-Dokumentation herangezogen.

Wenn es nun also so ist, daß der "plötzliche Schock" über die Massenhaftigkeit und die Qualität der Greultaten der Großeltern nicht ausschlaggebend für die Begeisterung und den Massenzulauf der Goldhagen-Veranstaltungen und der Wehrmachtsausstellung ist, wenn dadurch weder das Schließen einer historischen Lücke noch eine Antwort auf offenen Fragen erzielt wurde, wozu also die ganze Show seitens der Veranstalter und ihrer Fans?

Ein Raum mit Volk

Sonntag, den 12. Mai 1997 früh Morgens am Römer in Frankfurt. Mehrere Reisebusse stehen am Rande vom Römer. Nach dem Kennzeichen zu urteilen, kommen sie aus hessischen Kleinstädten bzw. Dörfern. Die Mitreisenden sind längst ausgestiegen, sie stehen in einer etwa 100 Meter langen Schlange vor dem Römereingang. Eine so große Schlange wurde zum letzten mal in Frankfurt bei dem Film "Jurassicpark" gesehen (auch dort waren die Bilder schaurig).

Diesmal pilgern sie zu der Wehrmachtsausstellung.

Geduldig warten sie auf den Einlaß. Zwei Roma, ein älterer Herr und ein junges Mädchen betteln entlang der Schlange. Das schlechte Gewissen zahlt sich aus: fast alle spenden etwas. Immerhin, zu etwas ist die Wehrmachtsausstellung doch von Nutzen. Das pilgernde, geduldig wartende Provinzvolk darf endlich rein. Gespielte Andacht kommt mit in die Ausstellungsräume rein. Menschentrauben stehen vor den Fotos mit den Greultaten Ihrer Vorfahren. Eine ältere Frau kommentiert ihrem Mann gegenüber das gerade ins Visier genommene Foto und den dazugehörenden Text: "Sabac liegt in Serbien? Ich dachte in Polen!"

Ansonsten nehmen sie Rücksicht aufeinander, da die Räume eng sind und viel zu viel Volk vor den Bildern steht. Das übliche Ellenbogenverhalten findet heute kaum statt. Wie gesagt, es läuft mit Andacht. Mit einem Hauch von Religiosität. Eine kleine Ausnahme bildet eine Frau, die laut und deutlich (damit es alle mitkriegen) sich outet, indem sie den Verkäufer am Büchertisch nach Dokumentationsmaterial für die 5. Armee (oder sowas ähnliches) fragt. "Hier sind nur Dokumente von der 6. Armee" betont die Frau "ich interessiere mich aber für die 5. Armee, dort war mein Vater. Ich suche nach Unterlagen über ihn". Nein, sie ist dabei nicht unbekümmert, eher stolz. Nicht weil sie die Taten ihres Vaters billigt, sondern weil sie sich als sehr wichtig dabei vorkommt. Denn nachdem die Medien und die Zeitungen über den Fall einer Frau berichteten, die ihren Vater auf einen Ausstellungsfoto wieder entdeckte, herrscht "Entdeckungseifer". Auch ein Aspekt von der herrschenden Atmosphäre in der Stadt während der Ausstellung.

Die Abende davor und danach, voll mit den üblichen Vergangenheitsbewältigungsritualen: Talk-Shows und Interviews der Initiatoren, der ehemaligen Wehrmachtsangehörigen und der BesucherInnen im Fernsehen. Kommentare und Berichte in den Zeitungen machen die Runde.

Das ganze Interesse gilt einzig und allein den Tätern. Nicht um sie zu bestrafen, daran haben auch die Veranstalter keine Interesse (sie haben die Namen der Täter auf den Fotos abgekürzt oder weggelassen), sondern sie wollen sie verstehen. Die Opfer spielen dabei nur die Rolle der Statisten. Ihre Wertigkeit steht und fällt mit dem Ausmaß der Greultaten. Eine einfache Erschießung findet kaum Aufmerksamkeit im Vergleich zu einem postierten Genickschuß. Ansonsten sind die Opfer den BesucherInnen scheißegal. Nichtmal die Frage nach den Hinterbliebenen, nach den Überlebenden wird gestellt. Im Gegenteil, die Heldin des Tages war diejenige Frau - wie vorhin erwähnt -, die öffentlich ihre Betroffenheit darüber ausstellte, daß sie ihren Vater in einem der Fotos erkannt hat. Und die Reaktion darauf? Mitleid mit der Tochter eines Executors. Obwohl oder weil sie gleichzeitig feststellt, daß ihre Vater "nur" daneben stand und wegschaute (!). Somit rügt im Mittelpunkt der Betrachtung und der Diskussion der seelische Zustand einer Tochter, deren Vater - diesmal nachweislich - "daneben stand". Wo daneben? Was ist der Anlaß gewesen, wo stand er daneben, wovon schaute er weg? So verrückt es klingt! Wir sind gezwungen es zu wiederholen, bevor der/die LeserIn selber vergißt! Es handelt sich um eines der unzähligen Massakern der Deutsche Wehrmacht. Der Vater hat "weg" von den gerade exekutierten Menschen "geschaut". Diese Wiederholung in diese Irrwitzige Situation um und über die Ausstellung, ist notwendig weil der eigentliche Grund des ganzen längst im Strudel der Diskussion über den seelischen Zustand der Nachkommen, so dominierend wurde, daß jegliche Gedanken an den Ermordeten, an den Leiden ihre Nachfahren (immerhin sie haben ihre Kinder, ihre Eltern, ihre Geschwister durch solche deutsche Väter verloren), verschwindet.

Kann man das als krankhafte oder brutale Eitelkeit bezeichnen? Schwer zu definieren. Eher als therapeutischen Selbstfindungsprozess, der das Opfer bestimmt/definiert und die passende Therapie verschreibt. Den Rest übernimmt die Krankenkasse (oder das Siegmund-Freund-Institut).

Der öffentlichkeitsscheue Reemtsma erklärt öffentlich in verschiedensten Variationen und Gelegenheiten, worin der Erfolg der Ausstellung liegt:

In der Schock-Wirkung und in seinem aufklärerischen Charakter (Volkspädagogik).

Was meint er damit? Vielleicht hilft es uns, um diese Aussagen zu verstehen, einen Vergleich anzustellen: Ein Exhibitionist kommt auf seine Kosten, hat also Erfolg, nicht indem er sich entblößt, sondern indem er durch die Entblößung, bei der betroffenen Person, zu einem unerwarteten Zeitpunkt, einen Schockeffekt auslöst. Daher ist die übliche Reaktion des Aufschreis folgerichtig. Wie der ganze Aufschrei allerart (für und wieder, stilistisch und methodisch, Verdrehung oder Wahrheit usw.) über Goldhagens Buch oder über diese Ausstellung. Auch der Zeitpunkt gilt als unerwartet: Kaum wurden die Pflichtübungen der 50-jährigen Vergangenheitsbewältigung zelebriert und in heuchlerischen Rede- und Kommentarbeiträgen abgeschlossen, kaum hat die Nation ihre Jungs nach Serbien geschickt, bricht plötzlich über Deutschland Goldhagens Behauptung und kurz danach die Wehrmachtsausstellung ein.

Die Veranstalter liefern auch die Erklärung für das massenhafte Interesse: Der Generationen-Abstand (Großeltern-Enkel) ist inzwischen zu groß, daher kann die dritte Generation leichter damit umgehen. Sie belassen es aber nicht bei dieser Erklärung. Sie liefern auch das Ziel der Ausstellung: Aufklärung und Überwindung des Generationenkonfliktes heißt das Zauberwort.

Als ob es je einen Nennenswerten (Generationenkonflikt) gegeben hat. Und selbst dann ist er längst auf deutschübliche Weise behoben worden: vor den Flüchtlingsheimen, in antisemitischen Haßtiraden, bei der Vertreibung von Roma-Familien, bei der Verbrennung von Nicht-Deutschen oder bei der Verstärkung der Oder-Deiche und der Grenzbürgerwehr gegen "Scheinasylanten" und "Polaken".

Bei der Erklärung fällt nur auf, daß Herr Reemtsma entgegen seine sonstigen Gewohnheiten, logische Denkmodelle bis zu Ende aufzubauen, diesmal dabei stehen bleibt. Denn gerade eine solche Erklärung (Abstand der Generationen) zwingt zu ihrer Weiterführung. Er tut es nicht. Er fargt nicht weiter nach nach dem Motiv der Enkelgeneration, er fragt auch nicht nach, warum sie es vorher nicht den Opa (als er noch lebte) mit ihren Fragen konfrontiert haben. Nein, diese Fragen werden nicht gestellt. Denn diese Fragenstellung würde gezwungenermaßen den Sinn und zweck der Ausstellung in frage stellen.

Diese Erklärung besagt nämlich, daß nicht die Taten selber als so verwerflich angesehen werden (auch mit der Gefahr, die eigenen Vorfahren zu verurteilen), sondern daß sie jetzt verurteilt werden können, weil kaum jemand von der Tätergeneration lebt (somit ist die Gefahr eines Familienkonfliktes ausgeschlossen). Eine andere Variante dieser Erklärung wiederum besagt, daß inzwischen der Täter der Opa und nicht der Vater ist. Das Kriterium also für das Interesse an den Greultaten verkommt zu einer Benimm-Dich-Regel und zu einem Familienproblem, das entweder reif für eine Lösung ist (Täter biologisch abgebaut) oder noch ein paar Jahre liegen bleiben muß.

Nach dieser Logik rechnen wir nach ... und bekommen Gänsehaut: erst um das Jahr 2050 werden die aktuell flächendeckend im Lande laufenden Pogrome verarbeitungsfähig sein! Vorher läuft nichts! Deutsche Sitten, deutsche Logik.

Ein Raum für Pogrome

Gleichzeitig wird durch diesen Aufklärungsversuch deutlich, daß die Veranstalter mit der Absicht aufgetreten sind, die Täter zu brandmarken, aber die Nachkommen zu streicheln. Dieser interessante Aspekt taucht sowohl bei Goldhagen als auch bei den WA-Veranstaltern auf.

Eine begründete Hoffnung, daß dieses Unternehmen irgend etwas Positives bringen wird, haben wir nicht. Denn die Präsentation von "nackte Tatsachen" haben bisher eher das Gegenteil bewirkt. Bleiben wir aber auf dieser Ebene.

Wenn wir die geäußerten Absichten positiv interpretieren, dann soll damit ein Beitrag geleistet werden, um Auschwitz nie wieder möglich zu machen. Das bedeutet aber, daß diese Gefahr besteht. Sonst hat eine Mahnung keinen Stellenwert, sie ist überflüssig. Dann drängt sich aber die Frage auf, die weder die Ausstellung, noch die Goldhagen-Diskussion stellt: Von wem geht diese Gefahr aus? Ein Blick in die Statistik der Pogrome und Angriffe seit der Wiedervereinigung und die enorm angestiegene Vorliebe von jungem deutschem Publikum für Schlagermusik und Heimatlieder genügt, um genau zu sehen, daß gerade diejenigen, die aufgeklärt werden sollen, längst durch ihre Vorfahren aufgeklärt wurden und sich entsprechend verhalten.

Sie haben alles verstanden. Und sie wissen Bescheid. Sie haben nämlich besser als ihre Aufklärer verstanden, daß "zwischen 6 Millionen Juden und 5 Millionen VW-Käfern, zwischen Wirtschaftswunder und Endlösung ein Zusammenhang besteht" (W. Pohrt).

Und sobald die Deutschen etwas verstanden haben, läuft der Prozeß stets in die gleiche Richtung: Nachmachen, Wiederholen, Kontinuität bewahren, im besten Fall wegsehen.

Wie damals: "Auch wurde ich den Anblick der Deutschen auf einem kleinen Bahnsteig nicht los, wo man aus dem Viehwaggon unseres Deportationszuges die Leichen ausgeladen und aufgeschichtet hatte, ohne daß ich auch nur in einem der steinernen Gesichter den Ausdruck des Abscheus hätte lesen können" (Jean Amèry).

Jüngster Beispiel: An der Goldhagen-Diskussion in Frankfurt nahmen über Tausend Leute teil, also massenhaft, nicht um ihn zu beschimpfen, sondern um ihm beiseite zu stehen. Folgt daraus jetzt eine positive Bilanz? Mitnichten. Denn dies würde bedeuten, daß daraus Konsequenzen für das eigene Verhalten gezogen werden. Etwa drei Tage später hat die Polizei im Morgengrauen eine Roma-Siedlung überfallen (laut Erklärung der Roma-Union, in Nazi-Manier) und die Familien verhaftet, nach Rumänien gleich direkt per Flug abgeschoben und den Rest nach Nordrhein-Westfalen gebracht, um sie von dort aus abzuschieben. Die Roma-Union hatte zu einer Protestkundgebung eingeladen. Die FR druckte tags zuvor ausnahmsweise Teile der Erklärung bzw. des Kundgebungsaufrufes ab. Die FR hat - insbesondere bei dem liberalen Publikum - die meisten LeserInnen. Also alle wußten davon, jedeR konnte entscheiden, ob er/sie sich solidarisch mit den Verfolgten erklärt oder schweigend die Pogromstimmung gegen Roma hinnimmt.

Und die Protestkundgebung? Ach so, daran haben sich ca. 15 Leute beteiligt.

Scheiß liberales Publikum? Kann man/frau nichts anderes erwarten? Es lebe die linksradikale Szene? Mitnichten:

Noch während der Wehrmachtsausstellung organisierten MigrantInnen- und andere Gruppen aus den antideutschen selbstorganisierten Zusammenhängen eine Protestdemonstration nach Babenhausen (in Hessen) wg. eines Brandanschlags auf das Haus des "letzten dort lebenden Juden".

Aus den Frankfurter LR-Zusammenhängen kamen gerade ein paar Leute. Der Rest war -seit über zwei Jahre mit urdeutsche Spezialitäten beschäftigt: Ab wann und unter welche Konstellation "ihre" Asybewerberinen von autonome Frauen-Wohngemeinschfaten zusammengeschlagen werden dürften oder ab wann die Polizei geholt werden darf um die aus der Wohnung rauszuschmeisen. All das unter dem Code der kulturelle Unterschiede (Siehe Swing-Plaudereine vom August '97).

Diese Fakten, wenn sie ignoriert werden, verfälschen bis zur Unkenntlichkeit die Vorgänge um und über die Wehrmachtsausstellung und die Goldhagendebatte.

Wir könnten jetzt abschließen mit der Schlußfolgerung (wie meistens), daß diese Vorgänge, dieses kollektive Verhalten den katastrophalen Zustand dieser Gesellschaft zeigt etc.

Es bringt aber nichts. Es hat sozusagen keinen Sinn mehr. Und die Zeit drängt. Wenn es stimmt, daß die Massenhaftigkeit von neuen Verbrechen nicht an dem Willen der deutschen Bevölkerung scheitern wird, sondern an den Sachzwängen der sie Regierenden (aus welchen Gründen auch immer), dann ist es höchste Zeit. Die Schröders, die Lafontains, die Voscheraus und andere Volksgenossen machen bereits Pogromstimmung gegen "kriminelle Ausländer". Wie ein Lauffeuer wetteifern zurzeit deutsche Politiker um die völkische Gunst. Die einen wollen "Ausländer" schon im Kindesalter abschieben, die anderen die Strafmündigkeit auf 12 statt wie bisher auf 14 Jahre herabsetzen. Selbst wenn dieser ganze faschistoide Dreck nicht 1:1 in Gesetzen mündet, wird er seine Wirkung nicht verfehlen. Der Mob weiß Bescheid. Er macht sich schon an die Arbeit.

Nur eins bleibt uns übrig: Nachzudenken was zu tun ist, welche Konstellationen auftreten werden und was wir selber tun müssen. Diesmal dürfen nichts und niemand unerwartet kommen. Wir müssen uns darauf mit allen Konsequenzen einstellen. Das Ende jeglicher Illusion, jeglicher Hoffnung auf Veränderung in diesem Land und mit diesen Leuten muß zu bestimmender Praxis werden und zu entsprechendem Verhalten führen.

Sonst hat auch das hier Geschriebene keinen Sinn.

Cafè Morgenland, 05.09.1997

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