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Linksdeutsche Burschenschaften
"Deutsche bringen ihre Führer nicht um"(1)
Als wir (selbstorganisierte MigrantInnen aus
Berlin, Bonn, Frankfurt, Freiburg, Hamburg, Nürnberg, München und Oldenburg)
unsere Kritik an den rassistischen Ausfällen der Zeitschrift Konkret
veröffentlichen wollten, waren wir uns selbstverständlich darüber im klaren, daß
wir mit der üblichen Ignoranz, dem eingeübten Schweigen darüber - und der
Tendenz, solche "Unannehmlichkeiten" auszusitzen, - des linksdeutschen Kultur-
und Gazettenbetriebes zu rechnen hatten.
Der Text samt den MigrantInnen-Gruppen als UnterzeichnerInnen wurde an die
Konkret-Redaktion per email mit der Aufforderung übermittelt, ihn zu
veröffentlichen. Um die deutsche Presse-Ordnung nicht durcheinander zu bringen,
wurde der Redaktion auch eine Kontaktperson bekannt gegeben, für den Fall, daß
irgendwelche Fragen auftauchen würden. Darüber hinaus wurde der Text an eine
Reihe von Zeitungen und Zeitschriften zur Info verschickt und das Thema war für
uns erledigt.
Von wegen! In den Redaktionsstuben brach Panik aus: Die Konkret-Redaktion schlug
uns einen Kuhhandel vor, indem sie uns - großzügig wie halt Gutdeutsche
gegenüber Minderheiten sind - eine Seite in Aussicht stellte, um unser "Anliegen
wohlwollend zu prüfen". Obwohl wir für solches Feilschen à la Bazar genetisch
vorprogrammiert sind, lehnten wir es ab und bestanden auf der Veröffentlichung
des ganzen Textes. Die Antwort kam prompt: In der Oktober-Ausgabe druckte die
Konkret-Redaktion einen Kommentar ab, in dem sie das uniforme linksdeutsche
Wunschdenken in Form von Vermutung zur Sprache brachte: Von wem konnte bloß
dieser Text stammen, es stehen sicher keine MigrantInnen dahinter und erst recht
keine Gruppen, ganz zu schweigen von Frauen (die geschlechtsspezifische
Entdeckung der Redaktion: "yamyam" muß ein Typ sein). Das technische Mittel
erlangte somit große Berühmtheit.
Als wir bei der Wochenzeitung "Jungle World" nachfragten, ob sie den Text, der
ihr zur Information bereits vorlag, veröffentlichen würde, kam als Antwort: "Wir
geben zu, daß die kritisierten Konkret-Beiträge einige unglückliche
Formulierungen enthalten, aber wir können trotzdem nicht Texte veröffentlichen,
die sich gegen die Konkret richten!" Die Zeitung, die, ebenso wie Konkret, jedes
Wort, jedes Komma in den Sätzen auseinander nimmt und mit dieser Art "kritischer
Genauigkeit" prahlt, verhielt sich auf einmal wie ein kleines
Provinz-Anzeigenblatt, das mit der ganzen "Peinlichkeit" nichts zu tun haben
will. Auf einmal wurde Rassismus zu "unglückliche(n) Formulierungen".
Nicht die Ausfälle in der Konkret, sondern erst unser Text sorgte bei den
antirassistischen Experten der Freiburger Zeitschrift "iz3w" (3w steht nicht für
WorldWideWeb, sondern für so was wie 3. Welt; sie sind nämlich Experten in
Sachen linksdeutscher Internationalismus, Chiapas und so) für einige Aufregung.
Nachdem sie unseren Text bekamen, riefen sie den alternden Herrn ihrer
Burschenschaft, den "Herrn Gremliza" (wie sie selber schreiben) an, um zu
entscheiden, ob sie den Text veröffentlichen (dürfen) oder nicht. Anschließend
teilten sie uns mit, daß sie unseren Text nicht abdrucken werden. Stattdessen
würden sie einen eigenen Beitrag zu "der Geschichte" veröffentlichen (wir
wiederholen: einen Beitrag zu einem Text, den ihre Leserschaft nicht kennt und
kennen darf!).
Was sie auch getan haben. Wo Rassismus am Werk ist, entdecken sie
"Ressentiments"; wo Justus Wertmüller seinen antiislamischen und sexistischen
Phantasien freien Lauf läßt, haben sie zuerst "freilich nichts auszusetzen", bei
genauerem Hinsehen können sie bei ihm "die Grenzen zwischen der aufklärerischen
Kritik an den Religionen und einem Feindbild vom Islam" nicht mehr erkennen. Wo
der "Medienkritiker" Sokolowsky gegen "Gesichtspelze", "Kopfwindeln",
"flachköpfige,... analphabetische Irre" und "den notorischen Buschmann"
herzieht, erkennen sie "einen despektierlichen Jargon" und "herabwürdigende
Äußerungen". Gegen uns drücken sie sich freilich nicht mehr so gewählt aus. Da
wird die Sprache zum Ausdrucksmittel unkontrollierter Gefühle gegenüber
vermeintlich Schwächeren. Jetzt ist von "hetzerischer und verleumderischer
Polemik", von "Denunziationsstrategie" und "Attacken" oder von "häßlichen
abenteuerlichen Konstruktionen" die Rede. Ihre vorgespielte "Objektivität" und
ihre devote Haltung gegenüber den "Chefs" verdankt sich dem überflüssigen
Versuch, einem deutschen Kollektiv, das sich im rasanten Tempo
rechts-radikalisiert, angehören zu wollen, ohne daß es jemand merkt.
Und so ging es mit anderen linken Zeitschriften weiter.
Ausnahmen in dieser festgeschweißten Volksgemeinschaft waren zwei Zeitschriften:
Die Alhambra aus Oldenburg und die CEE IEH aus Leipzig (sie ist übrigens auch im
Internet zu lesen). Angesichts der o.g. Situation war dies für uns eine
angenehme und erfreuliche Überraschung, was erneut beweist, daß das Deutschtum
keine biologische Gegebenheit, sondern eine Entscheidungsfrage ist.
Wer nun meinte, daß sich damit das Thema erledigt hatte, irrte sich: die TAZ
fühlte sich dazu genötigt, die "Alhambra" zu disziplinieren, weil sie sich
getraut hatte, den Text (trotz informellen Boykotts und drohender Sanktionen)
abzudrucken. Sie veröffentlichte am 21.11 einen Kommentar im Stil der
Konkret-Redaktion (lächerlich machen, abwerten usw.), indem sie die Alhambra für
ihr undeutsches Verhalten maßregelte. Aus dem "lustigen" Kommentar entstand
wieder mal eine Frontberichterstattung: ein TAZ-üblicher journalistischer Dreck,
versehen mit üblen Tricks (Verdrehungen, Lügen, Zurückhalten von Tatsachen, so
tun, als wüßte man nichts, usw.), bei denen die inneren deutschen Werte
gebührend zur Geltung kamen:
Trick Nr. 1: Obwohl der Text bereits im September der TAZ vorlag, tut der
Artikelschreiber so, als ob er davon erst durch die Alhambra erfuhr. Wie es
aussieht, ist der Text im Giftschrank der Redaktionsstuben gelandet; er wird nur
unter dem Ladentisch gehandelt.
Trick Nr. 2: Obwohl am Ende des Textes (sowohl in der der TAZ zur
Verfügung gestellten als auch in der in Alhambra veröffentlichten Fassung) die
Namen der MigrantInnen-Gruppen stehen, spricht er von einem anonymen Schreiber,
der "zu feige" (2) ist, seinen
Namen zu nennen. Das lustige daran ist, daß die TAZ selber und zwar mehrmals -
zumindest über eine der unterzeichnenden MigrantInnen-Gruppen, nämlich Café
Morgenland - berichtete (Ochtendung, Gallus-Frankfurt usw.) und ihre
Journalisten gar Kontakt-Adressen von der Gruppe haben.
Trick Nr. 3: Obwohl die einzige Redaktion, die dazu aufgefordert wurde,
den Text zu veröffentlichen, die von Konkret war, spricht der TAZ-Schreiber von
Aufforderung an alle Redaktionen (nach dem Motto, wenn eine deutsche Redaktion
betroffen ist, dann sind WIR alle betroffen).
Das zählt für den Hetzer natürlich nicht bzw. muß möglichst verschwiegen werden,
denn es soll ja alles gut ins Bild passen: Wir, die von der deutschen
Ultralinken längst boykottiert und angegriffen werden, müssen unter dieselbe
subsumiert werden, um jenen noch einmal klarzumachen, daß da noch einiges mehr
zu tun ist, um sich angemessen und wirkungsvoll zu distanzieren, sich also
tatsächlich um das Prädikat deutsche Ultralinke verdient zu machen.
Deutschland im November-Konkret sucht und sucht und kann ihren Rassismus einfach
nicht finden, Özdemir plaudert auf der Couch mit Beckstein (ein paar Tage nach
der Abschiebung von Muhlis aus München) über das, worüber sie sich einig sind,
Schröder stellt sich offen vor die deutschen Banken, um sie vor
Entschädigungsforderungen zu "schützen", Schily schreit mit dem ganzen Land im
Chor: das Boot ist voll, in Abschiebehaft, an den Grenzen und auf den Straßen
sterben Menschen. Die Nation Arm in Arm mit Walser gegen Ignatz Bubis, der
isoliert von allen dasteht mit seiner Kritik an den nationalistischen Tönen
Walsers, er wird als nicht mehr bei Sinnen angeprangert (weil, "er war der
einzige unter ALLEN Gästen, der Walser mißverstanden hat"!), denn es muß
endlich einmal Schluß sein!
Derweil ist der neue Feind ausgemacht: der Islam = die Fundamentalisten = die
muslimischen Menschen im Land. Diesmal neu: auch die Restdeutschen Linken
überbieten sich gegenseitig in Anfeindungen gegen Muslime, in plötzlicher
Frauenbefreiungsphantasie, im Hochhalten der abendländischen Kultur, oder
vielmehr dem, was hierzulande darunter verstanden wird.
Was den deutschen Humor betrifft: Es ist einige Jahre her, wo die Konkret solche
"Witze" mit dem richtigen Hinweis abdruckte, daß, wer darüber lachen kann, sich
überlegen sollte, was mit ihm los sei. Inzwischen ist es schick, rassistischen
"Humor" zu verbreiten und an den linksdeutschen Stammtischen darüber zu lachen!
Linker Rassismus ist inzwischen einer, der bei Kritik immer wieder behaupten
kann, "I'm sorry!", also nur Witz, Satire, Humor, lustig, lustig, lach, lach.
Der meiste offene Rassismus wird beim Karneval verbreitet, wenn die Deutschen
lustig drauf sind und mal richtig die Sau rauslassen. Dann heißt es:
"Nach den verlorenen Spielen hat sich der Vorstand entschlossen, neue Spieler
einzukaufen: Und zwar:
Im Sturm: Zwei Juden, weil diese nicht mehr verfolgt werden dürfen.
Im Mittelfeld: Einen Neger, einen Chinesen und einen Indianer, damit das Spiel
farbiger wird.
In der Abwehr: Zwei Warme, damit mehr Druck von hinten kommt."
Im Tor: Eine 50-jährige Nonne, weil die seit 30 Jahren keinen mehr rein bekommen
hat."
(Aus einem von der deutschen Belegschaft autonom erstellten und verteilten
betriebsinternen Blatt zu deutschem Fußball.)
Das ist es, was Deutsche unter Humor verstehen. Deutscher Humor ist, wenn andere
fertiggemacht werden. Wenn die lachen, geht es anderen an den Kragen. Der
Unterschied zwischen "leichter" und "harter" Satire ist der zwischen
Diskriminierung und Mord.
Sokolowsky ist eben nicht nur Fernsehkritiker, sondern vor allem deutscher
Rassist (hier in der Form des Anti-Islamisten). Einen solchen zeichnet unter
anderem aus, daß er keine objektiven Einflüsse braucht, um rassistisch zu sein.
Er braucht kein soziales Elend, d.h. auch kein deutsches Fernsehen, um andere zu
verunglimpfen und zu verfolgen. Außerdem macht er seinen journalistischen
Rassismus sozusagen ehrenamtlich. Während in südeuropäischen Länder die Leute TV
gucken, danach spazieren gehen, bevor sie zu Abend essen, macht sich Sokolowsky
nach Tagwerk und Tagesschau Gedanken darüber, ob seine Beiträge für die Konkret
fertig werden. Sozusagen einen unter 620-Mark bezahlten rassistischen Nebenjob.
Alles eine Frage des anti-islamischen missionarischen Engagements.
Schließlich wird die bittere Enttäuschung über die "Freiheitskämpfer in
Afghanistan", die heutigen Taliban-Milizen beklagt. Zur Erinnerung: Die TAZ war
einer der Vorreiter in Deutschland, wenn nicht gar DER Vorreiter bei der
Unterstützung der afghanischen "Opposition" (genau dieser Taliban-Mörder). Es
genügt, einige frühere TAZ-Berichte über Afghanistan während der
"kommunistischen Herrschaft" zu lesen, um die Vorliebe zu den afghanischen
"Volksmudschaheddin" und wie die ganzen Banden damals hießen, zu erkennen. Was
wir im Text über "Brigitte" schrieben, gilt erst recht für diese Zeitung.
Schreibt M. Ringel in der TAZ: "Nur zur Erinnerung: Die Taliban, das sind jene
Gotteskrieger, die Frauen den Schul- und Arztbesuch verbieten oder ihnen
mitunter ihre lackierten Nägel samt Finger abhacken. Taliban gleich Juden? Wofür
müssen die Juden eigentlich noch herhalten?"
Nur zur Erinnerung: die Deutschen sind jene
nationalsozialistischen Krieger, die Millionen Juden, Sinti, Roma u.a.
enteigneten, vertrieben, verprügelten und ermordeten.
Nicht Taliban gleich Juden, sondern Deutsche
gleich Deutsche.
"Wofür mußten die Juden denn bisher "eigentlich herhalten"?
Wir wissen, es hängt Euch zum Halse raus.
In Einklang mit Staat und Gesellschaft wollt ihr endlich Schluß machen mit dem
schlechten deutschen Gewissen mit dem Hinweis auf die Ermordung der Juden, mit
den Entschädigungsforderungen, mit den Holocaust-Denkmälern, (Erinnerung in für
Germanen verträglicher Dosierung, laut Bundespräsident Herzog), Schluß mit der
"Bombardierung" durch Texte, die einen daran erinnern (Gruß an Sir Arthur
Harris).
Spätestens seit rot-grün ist ein neues deutsches Selbstbewußtsein angesagt und
neue Verbrechen anvisiert.
Wie schon Sokolowsky (, der mitgezählt hat, als "diese Schlächter ... einer
Chirurgin ... 85 Kugeln ... in den Leib pumpten" hier: "oder ihnen mitunter ihre
lackierten Nägel samt Finger abhacken") sind sie so fasziniert von solcher
Gewalt, daß von Mitgefühl für die Opfer tatsächlich nicht viel übrig bleibt.
Die größten Machos machen sich gegen den Islam für die Frauen stark. Sie wissen,
daß Frauen als Opfer (im Ausland, nicht zu Hause) bei ihrem Publikum immer gut
ankommen.
Der Hetzartikel endete mit einem Zitat aus dem Koran. Da wir den Deutschen
gegenüber sehr mißtrauisch sind bzw. denen unterstellen, daß sie immer an das
eine denken (Vernichtungswahn) gaben wir das Zitat unserer "Abteilung für
Religion und Wahn" zur genaueren Untersuchung. Der Verdacht hat sich bestätigt
(siehe Anhang: Deutscher Wahn)
Und der K(r)ampf geht weiter: Die Konkret will
eine Debatte über unseren Text eröffnen. Und zwar im Stil der "iz3w", d.h. ohne
den Text, über den debattiert werden soll, zu veröffentlichen (wie geht das?
deutsche Realsatire?).
Anmerkungen:
(1) Die Antwort des
Widerstandskämpfers von Trott auf den Hinweis des chinesischen Revolutionärs Lin
Tsiu-Sen 1942 in Basel, der monierte: "Wenn ihr Hitler nicht töten könnt, dann
tötet Göring. Wenn ihr Göring nicht töten könnt, dann tötet Ribbentrop. Wenn ihr
Ribbentrop nicht töten könnt, dann irgendeinen General auf der Straße"
(2)
Eine staatstragende Zeitung wie die TAZ hat als "ausgelagertes Volontariat der
FAZ" (konkret) keinen Grund sich zu anonymisieren, im Gegenteil, es kommt darauf
an, sich im gesellschaftlichen Konsens mit dem entsprechenden rassistischen
Know-how namentlich bekannt zu machen.
Anhang: Deutscher Wahn
Daran, was spezifisch den
Gedankenreichtum der von
Michael Ringel zu einem Text zusammengeschusterten
Sätze und Satzteile anbelangt, sollen unten ein paar Bemerkungen in einer
intendierten, der Erhabenheit seiner sondergleichen Schreiberei angemessenen
Struktur - genau drei Absätze in textueller Trinität - verschwendet werden.
Um dem edlen Mystagogen, der uns trotz unserer allseits bekannten
Wahrheitsfeindlichkeit, sich wie eh und je selbstlos und aufopferungsvoll um die
Wahrheit ringelnd, in die unergründlichen Tiefen des Koran und anderer delikater
Mysterien - u.a. Pluralbildung - einzuführen sucht, die minimale Ehre zu
erweisen und somit seinem Ductus - präziser gesagt der seinem Ductus
entspringenden Sekretion - schnellstmöglich zu entgehen, sei hier auf einen
seinesgleichen verwiesen: "Derjenige, der nicht weiß, und nicht weiß, daß er
nicht weiß, ist ein Narr, meide ihn!" sagt Mevlana Celaleddin-i Rumi, ein ihm in
nichts nachstehender Mystagoge auf dem selben Terrain. Wahrlich, das ist die
einzig adäquate Reaktion auf Reden dieser Art. Die Geschöpfe dieser Erde müssen
tatsächlich, sobald sie der Nähe eines aktiven Ductus diesen Typus irgendwie
gewahr werden, die entlegenste Weite suchen. Nichts spricht aber dagegen - die
um sich selbst besorgte Vernunft gebietet uns sogar dazu -, daß man sich während
der Flucht einige markante Besonderheiten des zu meidenden Dinges merkt.
Daß Ringel unsere Schwierigkeiten mit dem "deutschen Humor" samt seinen
diachronen und synchronen Erzeugnissen nicht im Geringsten teilen kann, ist
nachvollziehbar. Er erweist sich darüber hinaus als ein meisterhafter Spaßvogel
deutscher Gattung, wenn er seiner Appetenz unterliegt d.h. von ihr überkommen
wird und leise den unwiderstehlichen Versuch unternehmen muß, seine schützende
deutsche Hand erneut über die Juden zu strecken. Um überhaupt dazu fähig zu
sein, auf die Idee zu kommen, Fragen - welcher Art und mit welcher Absicht auch
immer - wie "Taliban gleich Juden?" zu formulieren, braucht man nichts mehr als
eine durchschnittliche Beherrschung des angewandten deutschen Humors; um aber
dies öffentlich zu verlautbaren, bedarf es einer nicht jedem zuteil werdenden
Berufung; die muß man den Ringelnden bescheinigen und dabei das Fluchttempo
womöglich ein wenig beschleunigen.
Weil sonst mit qualvollen Sanktionen (Menschenverbrennung) zu rechnen ist. Dies
kündigt der Koran-Experte zwar etwas verschlüsselt aber nichtsdestoweniger
unmißverständlich an. Trefflich zitiert er den 78. Satz aus der 43. Sure des
Korans. Der Satz gibt die Reaktion des Höllenwächters auf die in der Gehenna
brennenden Sünder wieder, die hilflos rufen: "O Malik, laß deinen Herrn ein Ende
mit uns machen!" Der Malik sagt: "Ihr müßt bleiben.", und begründet das Urteil:
"Wir brachten euch gewiß die Wahrheit; jedoch die meisten von euch verabscheuten
die Wahrheit." Daß wir blasphemiert haben, über die heilige Wahrheit aus der
reinsten Quelle - im konkreten Fall: Konkret - gelästert haben und sie einfach
verabscheuen, ist nun kein Geheimnis mehr - Ringel wüßte sicherlich die hierzu
passende Passage in heiligen Quellen: "Oder meinen sie etwa, daß Wir nicht
hören, was sie geheimhalten und was sie besprechen? Doch, und unsere Boten bei
ihnen schreiben es auf." -, ergo müssen wir für die ritterliche Vorwarnung des
mannhaften Ringel, der - nicht zuletzt ob seiner eigenen Kühnheit ohnegleichen -
verständlich darunter leidet, "daß dort einige zu feige sind", dankbar sein und
sie ernst nehmen.
Die "verrückten"
MigrantInnen-Gruppen, die nicht in der Lage sind, ihre Gedanken auf einer Seite
zu formulieren.
Café Morgenland, 30.11.1998
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