|
Home
Antisemitische Brutstätten
In der Nacht vom 19. auf den 20. April (Führers Geburtstag) 2003 fand
standesgemäß sozusagen, ein antisemitischer Übergriff während eines
Anarcho-Punk-Konzertes im besetzten Haus "Au" in Frankfurt statt. Mehrere
Menschen wurden wegen des Sprühens der Parole "save Israel" von Au-tochtonen
Schlägern angegriffen.
Das Datum dieses Übergriffs ist auch deshalb bezeichnend, weil sich die
Veranstaltungsgruppe der Au offenbar traditionell bestimmte Daten aussucht: so
hatten sie bereits am 8. Mai 1992 im ,Exzess' ein Oi-Konzert veranstaltet und
damit die Nazi-Skins aus dem Rhein-Main-Gebiet nach Bockenheim "angelockt", um
sie prächtig zu unterhalten.
Anstatt eine eindeutige Verurteilung des aktuellen Vorfalls zu veröffentlichen
und Konsequenzen daraus zu ziehen, wurde ein Pamphlet von der besagten
traditionspflegenden Gruppe verbreitet, in welchem sie ihre antisemitischen
Ressentiments lauthals herausschreien. So fügen sie (nach vielen mühsamen
Umwegen und Windungen) das obligatorische "Existenzrecht Israels" ein, um im
nächsten Absatz "Nationalismus, in welcher Form auch immer" (dies bezieht sich
selbstverständlich auf die Haltung zu Israel), zu verurteilen.
Zur Erinnerung: Wenn Leute sich solidarisch zu anderen Ländern verhalten, so
wird dies im Linksjargon als Internationalismus bezeichnet. Nicht so gegenüber
dem verhassten Israel. Dann ist es purer Nationalismus!
Dieses und ein weiteres, unterschrieben von "Die Linke Frankfurterinnen"(!),
Pamphlet strotzt nur so von den bleibenden Erziehungsschäden der Vorfahren der
VerfasserInnen: Verschwörungstheorien werden imaginiert, der Schutz des
Kollektivs vom Fremdkörper wird heraufbeschworen, die Opferrolle wird
eingenommen usw.
Und immer wieder die "Provokationsthese" (als ob Provokation per se eine Sünde
wäre) in all ihre Varianten, mit manchmal seltenen Blüten. So empören sie sich,
dass das ANARCHO-PUNK-Konzert und ihre Fans "provoziert" wurden, dass die
exakten Benimm-Regeln und der penibel aufgestellte Hausordnungskatalog, die eben
bei Anarcho-Punk-Konzerten und "befreitem Wohnen" gelten, nicht eingehalten
wurden (jeder x-beliebige evangelische Chorgruppe hat mehr libertäre Ansätze als
solche Zusammenhänge).
Anlass der Angriffe war die Anwesenheit ihre Feinde. Grund der Angriffe war
einzig und allein der israelsolidarische Spruch (und nicht umgekehrt!).
Egal also, wie die Kollektive in Deutschland sich formieren
(Kaninchenzüchtervereine oder besetzte Häuser, Anarcho-Punk-Veranstaltungs- oder
Fröhliche-Wandergruppen usw.), sie funktionieren immer nach dem Prinzip der 68er
Kinderladenbewegung (arische Zuchtvereine), hier aktuell als antisemitische
Brutstätte. Und wie jedes Kollektiv suchen sie auch beständig ihresgleichen, um
ihre völkische Solidarität auszuleben (siehe Haltung der Au-Veranstaltungsgruppe
zu dem vorangegangenen antisemitischen Angriff im Exzess).
Mit einer solchen Geborgenheit und Verständnis, mit der die Täter und ihre
Unterstützungsgruppen umarmt werden, ist das Ausleben von rassistischen und
antisemitischen Gefühlswallungen nur noch eine Frage des Anlasses.
Mit der rasanten Befreiung der Deutschen von ihrer Vergangenheit wird auch dies
(der Anlass) nicht mehr nötig sein.
Es liegt an uns und all denjenigen, die immer noch was gegen diese Entwicklung
haben, dieses Sicherheitsgefühl der Täter radikal und konsequent in Frage zu
stellen.
Aus diesem Grund sehen wir in den Diskussions- und Gesprächsangeboten, die
seitens einiger Gruppen an die Adresse des Täter-Umfeldes gerichtet sind (um
eine Verständigung zu erzielen), oder die Einnahme einer neutraler Position "wir
waren nicht dabei" den Versuch, das Ganze als eine innerfamiliäre Angelegenheit
abhandeln zu lassen, anstatt die bitter notwendige Konfrontation mit solchen
Entwicklungen zu suchen.
Uns geht es nicht darum irgend jemand über Antisemitismus oder über den
Zufluchtsort der Opfer des deutschen Kollektivs aufzuklären (dafür wissen sie
viel zu viel), geschweige denn darum sie zu therapieren ("die Deutschen sind
nicht krank, sie sind unheilbar gesund", schrieb mal Eike Geisel).
Worum es uns einzig und allein geht, ist die Tabuisierung von antisemitischen
Gewalttaten, was nur durch deren Reglementierung möglich ist.
Aus dem Umfeld, in dem die Täter sich bewegen und ihre völkischen Instinkte
ausleben, haben sie nichts zu befürchten; im Gegenteil, die kuschelige
Solidarität der linksdeutschen Strukturen ist ihnen garantiert.
Die Geschichte dieses Landes hat uns gelehrt, dass auch hier nur eine
Intervention/Problematisierung von außen erfolgversprechend - im Sinne der
Tabuisierung - ist.
Wenn Antisemiten angreifen, werden wir dafür sorgen, dass sie es nie wieder tun!
Morgenland Incorporation
8. Mai 2003, Tag der Befreiung der
KZ-
Überlebenden und der Bevölkerung in den
von den Deutschen besetzten Ländern,
Tag der Kapitulation Deutschlands
|