Home

(... nicht nur für Insider)

Volkshygiene im Meck-Pom-Delta

und anderswo

  • In Mecklenburg-Vorpommmern, einem der gefährlichsten Orte der Welt für Nicht- Deutsche, ist inzwischen für Schwarze und/oder MigrantInnen das Laufen auf offener Straße eine Frage von Leben und Tod“ (aus „Die Monatszeitschrift "Konkret": made in germany“, CM, 18. September 1998)

Als die Deutschen mit der zeitgleichen Sammlung von olympischen Medaillen in Turin und den Vogelkadavern in Meck-Pom-Delta begannen, wussten sie nicht so recht, ob sie sich in wilden Jubeltaumel oder doch lieber eine tiefe seelische Depression stürzen sollten; und dies, obwohl die beiden Ereignisse propagandistisch und medial gut vorbereitet worden waren:

Nicht nur hatten sie dank eines Dopingfalls im deutschen Team die Gelegenheit gehabt, sich über die ewige Verschwörung gegen Deutschland empören zu können – „sie wollen uns den Erfolg abschneiden“ –, sondern ihnen war auch noch die Chance zuteil geworden, sich über die Tötungsart der Hühner in der Türkei (als Deutschland noch „clean“ war) moralisch zutiefst entrüsten zu dürfen, um dann zur Wiederherstellung des Humanen ihre altbewährte Methode vorzuschlagen:

 „Sollten die Fernsehbilder repräsentativ sein, werden die Hühner in der Türkei auf besonders grausame Weise getötet: Männer in weißen Schutzanzügen sind zu sehen, wie sie die lebenden Tiere in einen Plastiksack stopfen, zu den darin bereits umherschlagenden Artgenossen. Anschließend zeigt die Kamera, wie die Säcke in eine Grube geworfen werden, jemand Kalk darüber wirft und ein Bagger Erde hinein schaufelt - Seuchenbekämpfung findet also statt, indem man Tiere lebendig begräbt. Sind das die Bilder, die auch in Deutschland zu erwarten sind, falls hier die Vogelgrippe ausbricht?
Auf keinen Fall, versichern die Landwirtschaftsministerien der Länder, die für die Tierseuchenbekämpfung zuständig sind. Sollte es zur Tötung von Hühnern und Hähnen in großem Umfang kommen, werden die Tiere zum größten Teil mit Kohlendioxid vergast. Dies wird von den Behörden als schmerzfrei bezeichnet. Mobile Vergasungsanlagen gibt es in allen Bundesländern, zumeist wurden sie von den Landwirtschaftsministerien angeschafft, teilweise - wie in Rheinland-Pfalz - vom Geflügelzüchterverband“(aus
SZ v. 13.01.2006).

Der Forderung von Café Morgenland an den Gesundheitsminister Seehofer, Meck-Pom abzusperren und den das Gebiet besiedelnden Ossi-Stamm unter Quarantäne zu stellen, wurde sofort – und zu unserer vollsten Zufriedenheit – entsprochen.  Ab sofort durften die Meck-Pom-Ossis nur noch unter erschwerten Bedingungen und nach aufwendigen Prüfungen die Meck-Pom-Grenze gen Westen überschreiten. Denn immerhin erwies sich diese Provinz als die meist befallene in ganz Europa – mit (bis heute) hunderten nachgewiesenen Vögeln mit dem gefährlichsten Erreger der Welt.  Die zweite Forderung nach freier Wahl des Wohnortes bzw. nach der freien Ausreise der dort lebenden Flüchtlinge ist leider nicht angenommen worden (wir bleiben am Ball).

Auch unsere Empfehlung an die deutsche Wissenschaftler-Zunft, die über die Herkunft des Erregers den Kopf – und Reagenzglas – zerbrechen, wurde nicht ernsthaft verfolgt (dass nämlich der Urheber des Unheils in den rassistischen und antisemitischen Glatzen-Horden samt Umfeld, die diese Region von Rügen bis Grevesmühlen[1] überbevölkern, zu suchen ist).

Linksdeutsche wiederum grübelten über den „zugewanderten“ Grippenerreger, der sich der einheimischen deutschen Hühner bemächtigt und die sonst stets ordentlich und sauber gehaltene Zucht folgenschwer gefährdet hat. Obwohl es auf der Hand lag, dass die Mehrheit der „wilden“, „zugewanderten“ Vögel aus islamischen Gegenden kam, konnten sie – wohl aufgrund ihrer peniblen Loyalität zur Wissenschaftlichkeit – sich nicht abschließend darauf festlegen, dass dies eine weitere Gefährdung der Zivilisation darstellte.

Trotz intensiver Suche im Koran durch die üblichen Experten (Küntzel,  Wertmüller, Grigat, Pankow, usw.) fand man kaum brauchbare S(p)uren, anhand deren sich dieser berechtigte Verdacht nachweislich belegen ließe.  Irgendwann hat man auch dieses Vorhaben fallen lassen und sich nur noch auf die „gelbe Gefahr“ („asiatischer Virus“) beschränkt.

Gremliza ließ Pankow einen Aufsatz[2] in Konkret über die Möglichkeiten der Abschiebung von „wilden“, „infizierten“ Vögeln schreiben, was zum Eklat in der Redaktionsstube führte, weil nämlich Pankow die Gelegenheit ausgenutzt und gleich die Forderung nach der Abschiebung aller zugereisten Vögel erhoben hatte, weil sie – laut seiner Argumentation – mit den einheimischen GeflügelInnen nicht  kompatibel seien. Der Rest der Redaktion war allerdings dagegen, da sie die Angelegenheit differenziert betrachten wollten. Schließlich sollte die Artenvielfalt aufrechterhalten werden. Sie konnten sich aber doch nicht lange unter Kontrolle halten und widmeten ein ganzes Heft ihrem aktuellen Lieblingsthema (Titel des Heftes April 2006: "Kampf der Kulturen").

Als die asiatische Grippe die Provinz Ostmark (nach neuer Lesart: Österreich) erreichte, widersprach ein antideutscher Bajuware der CM-Behauptung, dass der Ursprung der Ausbreitung des Erregers vor 60 Jahren zu suchen ist, und führte als Nachweis die mündliche Überlieferung der Großelterngeneration, die sich aktiv am triumphalen Heldenplatzempfang vor eben diesen besagten 60 Jahren teilgenommen hatte; sie hätten so was nicht bemerkt, diese Behauptung wäre „abgefeimt“[3], es sei damals alles clean gewesen. Selbst die Ausfälle eines alpenländischen Artenschutzvereins (FPÖ) sollten nicht ernst genommen werden, da sie „antiquiert“ seien. Als Beweis stellte er eine bahnbrechende Theorie „über den Wert des Wertes“ auf, die allerdings kürzlich durch eine noch bahnbrechendere Theorie „über den Wert des Wertes des Wertes“ überholt wurde[4].

Ein Vortrag von Frau Natascha Willting (siehe auch  „das Geifern der Linken“ von CM) über den emanzipatorischen Charakter der modernen, merkelschen Trachten der Meck-Pom-Bäuerinnen im Gegensatz zu den arabisch-türkischen Ganter-Gangs wurde aus Mangel an Interessenten kurzfristig abgesagt.

Da die Volkshygiene Vorrang hatte, änderten sie ihre Eßgewohnheiten und fingen an, ihr  Frühstücksei über 70-Grad zu kochen, und bei unachtsamem Kontakt mit dem noch nicht denaturierten Eiklar, den vermeintlichen Virus- und Würdenträgern, ihre Hände gründlich zu waschen.

Was tun?

Ein erstes und unterstützenswertes Ziel wäre die Aufgreifung des bereits durch einige besonnene Politiker laut artikulierten Gedankens, die Fußballweltmeisterschaft abzusagen, bzw. in einen ungefährlichen Ort zu verlegen, da inzwischen in mehreren deutschen Bundesländern, von Walsers[5] Heimatidylle (Bodensee), über die schwäbischen Moslem-Befragungsexperten bis zu den ‚Lebensräumen’ der brandenburgischen Pömmelter[6]- und Potzlower[7]- Stämmen der asiatische Erreger ordentliche Arbeit geleistet hat. Angesichts der Millionen von Besuchern aus aller Welt, wäre es unverantwortlich diese Menschen den Tücken des Erregers und der einheimischen Stämme zu überlassen.

Die ersten Schutzmaßnahmen sind bereits angelaufen: Fast alle Fußballmannschaften, die an der WM teilnehmen, haben sich im Westen des Landes einquartiert (Ausnahme:Ukraine in Potsdam)[8].  Die Behauptung, dass die von links bis rechts konsequent praktizierte Geheimhaltung der Quartier-Planung darin begründet liege, dass man dadurch den eigentlichen Grund – dass angeblich die ausländischen Mannschaften von den einheimischen Ost-Stämmen geschützt werden sollen – vor der Weltöffentlichkeit verschleiern wolle, wurde umgehend dementiert, und dahingehend richtig gestellt, dass bei dieser Entscheidung ausschließlich logistische Gründe bzw. die Wetterlage und Verkehrssituation im Spiel waren.[9]

Inzwischen erwägen die Nachbarländer, Polen, Tschechien usw. ein Import-Verbot von deutschen „HühnerInnen“ samt ihren Sekundärprodukten. Zur Sicherheit empfehlen wir den ausländischen Regierungen, das Verbot auf alle „Made in Germany“-Importe auszuweiten. Nur so können sie verhindern, dass vom deutschen Boden nie wieder eine Seuche ausgeht.

Nachtrag

Der Witz bei dem Witz ist, dass exakt genau so und kein deut anders die Bewusstseinsbildung in Deutschland und das Verhalten jeder seiner volksgemeinschaftlich zusammengeschweißten Mitglieder funktioniert. Die Transformation und Übertragung der Schlüsselbegriffe auf x-beliebiges Ereignis zum Zwecke der Aktivierung des Codes war und ist nur möglich, wenn davor die notwendigen Vorarbeiten – zu ganz anderen Themen – geleistet worden sind. Danach braucht man nur noch die Begriffe abzurufen, egal ob es um Vergasung von Hühnern oder um „wilde“, „zugewanderte“ „asiatische“ Vögel geht. Es läuft wie immer: Gut geschmiert, reibungslos und vor allem willig.

Café Morgenland                               28.03.2006



[1] Am 31.8.1996 wurden einige von uns – nach einem Demoversuch in Grevesmühlen gegen die Brandstifter und Mörder des Lübecker Flüchtlingsheimes, bei dem 10 Menschen starben – verhaftet und nach Boltenhagen (eine mörderische Ostsee-Idylle) abtransportiert. Während des Transportes fand in der Wanne folgender Gespräch mit ein Ossi-Bulle statt (aus „Aneignung 2):

Bulle: Sie halten wohl nicht viel von Deutschland

x: Genauer gesagt, gar nichts

Bulle: Sie Russe, Sie!

x: Hören Sie doch auf damit, solange die Russen hier waren konntet ihr euch so was nicht erlauben

Bulle: Gehen Sie doch nach Russland!

x: Auf jeden Fall ist das besser als im deutschen Gefangenentransport

Bulle: Wenn Sie wüssten, wie die Grevesmühlener drauf sind, wären Sie froh dass wir Sie verhaftet haben! (kurze Pause)

x: Nach dieser Geschichte wird der Stuhl ihres Innenministers wackeln.

Bulle: Das ist mir egal. Ich tue nur meine Pflicht.

x: Sie können wohl jedem Herrn dienen.

Bulle: So ist es!

[2]Aber man wird ja nicht gleich zum denkenden Büttel der Staatsmacht, wenn man die aus ihrer Souveränität entspringenden möglichen Optionen betrachtet und zum Ergebnis kommt, daß sie, statt auf Variante A zu setzen, auch noch die B- und C-Versionen zur Verfügung hat und eine staatliche Entscheidung für eine dieser Versionen durchaus unseren aktuellen Interessen nicht zuwiderlaufen müßte. Nehmen wir doch Gremlizas Idee, einmal Politikberater zu spielen, beim Wort und stellen uns vor, wir würden öffentlich sagen: Wenn der Staat sich entschlösse, keine religiösen Fanatiker, sprich Muslime – mit der Mär vom moderaten Muslim und der säkularen Muslima möge man uns bitte verschonen –, mehr ins Land zu lassen, würde das nicht nur uns eine gewisse Erleichterung verschaffen. Wir bekämen Ärger, und der Vorwurf der Grundgesetzwidrigkeit wäre noch der geringste.“ (Aus „Antwort auf Gremliza“, Horst Pankow, Konkret 3/06)

[3] Da wir mit Komplimenten dieser Art nur in seltenen Fällen öffentlich bedacht werden, wollen wir hiermit kurz die ganze Pracht hinter der bescheidenen Fassade des Attributs „abgefeimt“ kontemplieren: 'abgefeimt' ist z.B. einer, der in allen Schlichen u. Schlechtigkeiten erfahren und in unmoralischer Weise schlau ist, der Böses tut, moralisch verwerflich handelt, eine niedrige Gesinnung hat.

[4]Als Beispiel dafür kann Manuela Bojadzijev von der Gruppe kanak attak genannt werden, die in ihrem gemeinsam mit Alex Demirovic verfaßten Vorwort zu dem Buch „Konjunkturen des Rassismus“ vorführt, daß Antisemitismus immer nur als eine Spielart des gewöhnlichen Rassismus begriffen wird, der sich halt im konkreten Fall gegen Juden und Jüdinnen richtet - eine Einschätzung, die exemplarisch für große Teile der Linken ist und fast immer auch eine implizite Verharmlosung von migrantischem Antisemitismus beinhaltet. Ähnliches, wenn auch in abgefeimterer Form, findet sich bei Café Morgenland, das dem Antisemitismus den Antiislamismus an die Seite stellt - und dabei mit Antiislamismus nicht einmal einen gesamtgesellschaftlichen antiarabischen Rassismus meint, der sich des Ressentiments gegenüber dem Islam bedient, etwas also, das in Deutschland insbesondere in den Medien mittlerweile in sehr viel geringerem Ausmaß existiert als die meisten Linken behaupten, aber beispielsweise in Österreich mit seinem katholischen Obermullah Kurt Krenn und dem eher antiquiert-rassistischen Anhang der FPÖ nach wie vor eine bedeutende Rolle spielt, sondern sie meinen mit Antiislamismus, der ähnlich zu kritisieren sei wie der Antisemitismus, die völlig richtige und dringend notwendige Kritik am politischen Islam.  Dazu paßt dann auch, daß sie allen, die versuchen, in Anlehnung an die Kritische Theorie eine materialistische Antisemitismuskritik zu formulieren, nicht nur vorwerfen, einen Fehler oder Irrtum zu begehen, weil man dem Antisemitismus ihrer Meinung nach ausschließlich mit Moral kommen darf, sondern sie bescheinigen allen, die sich in Anknüpfung an Moishe Po ston e dem Zusammenhang von Wertverwertung und Antisemitismus zuwenden, „Vernichtungsvorboten“, also die Vorbereiter eines neuen Auschwitz zu sein“ (aus „Der Haß der Antiglobalisierungsgegner auf Israel“, 2003, Stephan Grigat).

[6] Am 9.12.05 überfiel in einem Bus, eine Horde von 5 Nachwuchsdeutschen einen 12-jährigen Jungen, dessen Vater aus Äthiopien stammt. Sie prügelten schon während der Fahrt auf ihn ein, zerrten ihn anschließend aus dem Bus und folterten weiter (u.a. drückten sie eine Zigarette in seinem Auge aus). All das vor den genusssüchtigen Augen der Fahrgäste bzw. der Anwohner. Diese Anwohner wurden von einer Antifa-Demo am 25.02.06 nicht nur gelobt, da sie angeblich  „weggeschaut“ hätten, sondern auch noch aufgefordert, einzugreifen! („Schaut nicht weg - Greift ein“ war das Demo-Motto). Dass es nicht zu weiteren Angriffen kam, ist einzig und allein der Tatsache zu verdanken, dass die Anwohner nicht gemäß der Antifa-Aufforderung handelten.

[9] WM-Quartiere

„Wir konnten nichts delegieren"

Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-OK 2006, zur Wahl der Quartiere

SZ: Die 32 Mannschaften haben ihre Quartierwahl getroffen: Zwar beherbergt Berlin die Deutschen und das vornehme Hauptstadt-Sprengsel Potsdam die Ukraine. Sonst aber wird der Osten eine teamfreie Zone sein. Warum?

Niersbach: Da muss man bei den Stadien anfangen. In der Bewerbung waren damals auch Städte wie Dresden, Magdeburg und Rostock dabei, die es dann aber nicht geschafft haben, es fehlten Voraussetzungen, nämlich ein Stadion mit mindestens 40 000 Plätzen. Klammert man Berlin aus, ist nur Leipzig als Spielort übrig geblieben. Wir haben deshalb ja ganz bewusst die WM-Auslosung im Dezember nach Leipzig gelegt, um damit der Welt zu zeigen: dies ist ein anderes Land als bei der WM 1974.

SZ: Nach der Auslosung hat es noch einmal die Bitte an die Teilnehmer gegeben: Schaut euch auch im Osten um.

Niersbach: Wir hatten einen Empfehlungskatalog mit 110 Hotels heraus gegeben, darin wurden 16 Quartiere im Osten angeboten. Das zeigt, dass wir den Osten so stark sehen wie alle anderen Regionen. Wir haben doch nicht gesagt: Geht an den Bodensee, geht nach Bayern, da ist es wunderschön. Wir hatten auch nicht geahnt, dass am Ende die meisten Teams nach Baden-Württemberg gehen.

SZ: Die Ursprungsidee war aber, dass sich das Gefühl des vereinigten Deutschland in der Wahl der Quartiere spiegelt.

Niersbach: So hoch haben wir das nie gehangen. Wir konnten und wollten nichts delegieren. Jeder hat seine Freiheit, wir akzeptieren jede Entscheidung, getroffen mit oder ohne den Katalog.

SZ: Nach dem nicht zwingend entschieden werden musste.

Niersbach: Natürlich nicht. Wir haben bei der WM 1998 ja auch ein Quartier in Nizza genommen, das liicht im Katalog der Franzosen stand. Da war die Aufregung groß, aber Berti Vogts hat damals gesagt: Wir sind Gäste, wir müssen doch das Recht haben, uns eine optimale Unterkunft zu suchen. 1990 in Italien war es genau so. Das Quartier in Erba am Corner See, das Franz Beckenbauer wählte, stand nicht im Katalog der Italiener.

SZ: Welche Wahl hat Sie überrascht?

Niersbach: Zum Beispiel, dass Spanien in die Sportschule nach Duisburg-Kaiserau geht. Ich dachte, die sind eher an einem Fünf-Sterne-Hotel interessiert. Aber der Trainer, Luis Aragones, achtet stark auf Disziplin, Ordnung, Konzentration, deshalb Kaiserau. Wir sind ja froh, dass nicht nur Hotels, sondern auch vier Sportschulen gewählt wurden: Spanien ist in Kaiserau, Paraguay in Oberhaching, Polen in Barsinghausen und Togo in Wangen. Afrikas Mannschaften scheinen sonst eher einen hohen Hotelstandard zu bevorzugen. Oder die Amerikaner: die sahen sich fünf Quartiere an, und nun wollen sie in die Großstadt. Sie ziehen nach Hamburg ins Zentrum, unabhängig von der Sicherheitsproblematik. Das ist die Klinsmann-Philosophie: Nicht in eine abgeschiedene Sportschule, sondern mitten hinein nach Berlin, mitten hinein in eine pulsierende Stadt.

SZ: Es scheint aber doch ein Nachteil zu sein, dass der Osten eine Fußball-Problemzone ist: Keine Mannschaft spielt in der Bundesliga, nur drei sind in der zweiten Liga dabei. So fehlen die internationalen Kontakte.

Niersbach: Das glaube ich nicht. Einziges Argument könnte die Verkehrssituation sein, dass du da schon etwas mehr am Rande bist, als wenn du dich in Frankfurt direkt am Flughafen ansiedelst. Oder im Westen, wo binnen 50 Kilometern Umkreis zwanzig WM-Spiele stattfinden. Das ist ein logistischer Vorteil.

SZ: Wurde nicht auch die Angst vor Rassismus thematisiert?

Niersbach: Wirklich nicht, das war nie ein Thema. Wir sollten das jetzt auch nicht gesellschaftspolitisch überhöhen, denn meistens verbirgt sich hinter einer solchen Entscheidung doch nur die Philosophie eines Trainers. Oder eine sentimentale Erinnerung wie beim Beispiel Mexiko. Warum Göttingen? Die Mexikaner waren im Sommer beim Konföderationen-Pokal dort und wollten wieder dorthin. Oder Iran. Die hatten in der WM-Qualifikation ein Trainingslager in Friedrichshafen, sie waren begeistert, hatten Erfolg und sagten: Wir gehen zurück. Aber auch Puma hat vermittelt. Die Afrikaner stehen ja alle bei diesem Ausrüster unter Vertrag, und Puma hat sie Richtung Schweinfurt und Würzburg dirigiert. Konkurrent Adidas hat sich Argentinien nach Herzogenaurach geholt.

SZ: Dem Osten hat eine solche Lobby aus der Industrie offenbar gefehlt.

Niersbach: Wir als OK können es nicht ändern. Bei aller Politik, bei allem Wünschen, kann die Quartierwahl nur die Freiheit unsere Gäste sein.  [Interview: Klaus Hoeltzenbein; SZ vom 20.01.2006]

Home zum Seitenanfang