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offener Brief an alle,
die an der Demo in Amarynthos teilgenommen haben ... ein Blitzlicht in der Dunkelheit (zur Gedenken an Phoolan
Devi[1],
5 Jahre danach) Freundinnen und Freunde, wir erfuhren übers Internet
über die Demo, die ihr gegen eine der zahlreichen Jauchen im griechischen Territorium
veranstaltet habt, den Ort Amarynthos in Euboia. Weil wir sowohl die
Vergewaltigungstat als auch die Haltung der griechischen Gesellschaft und vor allem der Linke fast aller Couleur dazu
intensiv verfolgen, betrachten wir es als selbstverständlich, unsere
unendliche Freude über eure Aktion zu übermitteln, Freude, die sich mit
unserer Trauer über die Verletzten mischt, denen wir vom ganzen Herzen, gute
Genesung wünschen. Die Einmaligkeit dieser
Aktion für den griechischen Raum ist, dass zum ersten mal Personen und
Gruppen gegen die „Volksmassen“ sich wendeten, die (für die
Linke) nur noch existieren, damit man sie, indem man sie mit einer Vielzahl
von Ideologien und Theorien füttert, leckt, da sie für „höhere
Ziele“ gebraucht werden (Revolution, Wahlen usw.). Die Besonderheit dieser Aktion
ist, dass sie weiter weitergeht, nachdem sie zu ende gegangen ist! Diesen Eindruck gewinnen
wir, angesichts der Reaktionen der Mehrheit der griechischen Linke. Unsere
aufrichtige Gratulation dazu. Diejenigen, die seit über
einem Monat – mit Ausnahme der feministischen Organisationen die in
Amarynthos demonstriert haben –
in detektivischen Arbeit, in der Moralapostelmanier, in der Sorge um die
„Besetzungsbewegung“, in abstrakte Theoretisierung des Sexismus
und des Patriarchats ihre Energie ausschöpften, werden ab nun ein ständiges
Problem haben: Diese Demonstration und der Aufstand des
„Beleidigten“ Mobs wird als Maßstab (so oder so) herangezogen
werden müssen. Von nun an, wird es nichts
mehr möglich sein, ohne diese Tatsache in Betracht zu ziehen, Demos in Amarynthos
und jede Amarynthos, wo dieser Gestank hochkommt zu organisieren. Natürlich könnte diese Tat
überall passieren. Der unterschied wäre nur in den Mitteln: In Kolonaki (Reichen-Stadtteil
von Athen) mit Golfschläger und in Amarynthos mit Baugerüst-Latten. Kein
anderer Unterschied. Was nun die Massenmedien
angeht, so werden sie – da es ihnen diesmal nicht passt – des
„Kannibalismus“ („Ausschlachtung“ des Ereignisses)
bezichtigt. Als die gleichen
Massenmedien, Tag und Nacht, jede Einzelheit aus dem Libanon-Krieg
ausstrahlten, ohne jeglichen journalistischen Ethos und Skrupel, ohne
jeglichen Respekt vor den Toten und den Verletzten des Krieges, als sie in Nahaufnahmen
die Toten ausschlachteten, als das Blut in allen Kanälen reichlich floss, als
das Tele-Blick die Opfer zerstückelte, als fiktive Massaker-Stories (z.B. von
Reuters) die Runde von Sender zu Sender machten, als diese Massenmedien, die
Alekes und die Papariges (Aleka Papariga, Generalsekretärin der KP), die
Toten verdreifachten oder sie zum Frauen und Kinder erklärten (die über 20
Toten reichten denen nicht aus, sie müssten auf über 60 gehoben werden), da
haben ALLE geschwiegen. Weil es um das verhasste Israel und um die Bösen
Juden ging. Und weil diese Bilder die notwendige Wichsvorlage für die
Massenhaftigkeit der Antikriegdemos war. So geilten sich die kämpferischen Demonstranten
vor dem Fernseher auf, um auf den antisemitischen Manifestationen zu
„kommen“. Anstatt also in letzter
Minute, a) die Finger auf die Wunde
zu legen und anfangen Gedanken zu machen über ihre patriarchale, rassistische
und nationalistische Gesellschaft, b) die Tat und alle die sie
Deckeln (Lehrer, ihre Gewerkschaft, Besetzungsräte usw.) ohne einen Relativierungsfenster
zuzulassen („sie wollen die Bewegung beflecken“) zu verurteilen
und c) praktisch zu
intervenieren (Demos usw.) vermeiden das a) wie der
Teufen den Weinrauch und verurteilen all diejenigen
die b) und c) umzusetzen versuchen! Und weil ihrer antisemitische
Hass, nicht nur keine Grenze kennt sondern auch noch 100 Terabyte Gedächtnis
hat, verurteilten sie die Gruppe Terminal 119 – in Zusammenhang mit
deren Teilnahme an der Demo – für ihre damalige Protesterklärung gegen
die Schändung des Holocaust-Mahnmals durch KPG und PAME! All das, ohne die
geringste Befürchtung zu haben, sich lächerlich dabei zu machen. Somit, obwohl die InitiatorInnen
der Demo zum Ziel hatten gegen die „kleine
Gemeinde, die nach Rassismus und Männerherrschaft stinkt“ zu
demonstrieren, trafen sie - ungewollt – damit die Mehrheit der
griechischen Linken. Nicht weil dies beabsichtigt war, sondern – wie manche Marxisten
sagen würden – weil dies eine Gesetzmäßigkeit entsprach. Gesetzmäßig weil es sich um
eine Linke handelt, -
die ihre Klasseneid
zu Klassenbewusstsein getauft hat, um in ihre Klassenkämpfe zu berauschen -
die ihre
innigsten Wunsch „Kalif anstelle des Kalif“ zu werden, als Revolution deklariert -
die ihren
ungezügelten Nationalismus zu Antiamerikanismus[2]
umwandelte, in dem sie Theorien über unterdrückte Heimat, fremde Hand usw. zu
Recht bastelte usw. -
die keine, absolut
keine Probleme damit hat, wenn linke Massen Holocaust-Mahnmäler schänden und Demos
gegen die israelitische Gemeinde von Thessaloniki veranstalten -
die ihren Hedonismus
auslebt, wenn in ihre Reihen zu Ermordung von Juden aufgerufen wird („Die
Juden Mörder, sie werden zahlen“, NAR/PRIN) -
die jede Bewegung
von Massen von eine Allee auf die andere zu kämpferischen Protest – ohne
Rücksicht auf deren Inhalt – erklären und umarmen -
die den
künstlich und ideologisch gedeckelten natürliche Widerspruch zwischen Lehrer
(Bändiger) und Schüler eliminiert und die Schulen-Besetzung (die zum zwecke
der Intensivierung und Verbesserung des Produzierens von „Nationalgriechen“
stattfand) von nationalistischen Brutstätten (griechische Schulen), zu
kämpferische Besetzungen erklärt -
die bis gestern
– in einer ekelhaften Einstimmigkeit - Theokraten mit feudalistischen
und anderen reaktionären Ansichten zu neuen Che Guevaras hochstilisierte
(Nasrala, Hisbollah-Chef) -
deren Multikulturalität
zum „salonfähigen Rassismus“ und deren Antirassismus zum
„Toleranz des Unterschieds“ verkommen ist Obwohl, wie wir sagten,
diese Tat überall sich ereignen könnte, kamen in Amarynthos wesentlich
zugespitzter die klassischen Elemente des Zusammenhalts der griechischen Gesellschaft
zu Tage. So, außer Sexismus und Patriarchat, hat diese „kleine Gemeinde, die nach Rassismus und
Männerherschaft stinkt“ Tradition in der Jagd auf MigrantInnen, sie
bewundert und ehrt jährlich die Kollaborateure der Nazis usw., d.h. Merkmale,
die logischerweise jeden klassischen linker auf die Beine bringen mussten.
Trotzdem, nicht nur haben sie nichts getan, sondern beschimpfen sie all
diejenigen die dagegen widerstand leisten wollten. Wir können uns nicht
vorstellen, wie sie sich verhalten hätten, wenn die Tat in eine linke
Stadtteil (z.B. Kokkinia, Athen) stattfinden würde oder wenn die Täter Linke
wären. Das wahrscheinlichste wäre, dass sie an die Seite der Täter stehen
würde und die Gegner als Agenten (Israels oder Disneylands, wir haben nicht
verstanden welche der beide Länder sie meinten) beschimpfen würden. Nur so kann man deren
wütende Kommentare in Indymedia und anderswo erklären, nur so kann man deren
... Sensibilität (nicht gegen die Vergewaltigung sondern gegen die Demo)
verstehen: Die griechische Linke fühlt sich mehr als die Bewohner von Amarynthos
durch diese Demo betroffen. Und eine Kleinigkeit: Alle
bisher hervorgebrachten Argumente gegen die Demo (elitär, sie kommen von Außen,
sie machen keine Differenzierung, sie werden die Bewohner noch mehr aufstacheln
usw.), sind uns äußerst nah, da die gleichen Parolen bis vor einigen Jahren
von der Mehrheit der deutsche linken zu hören waren (mit ein Unterschied,
unsere Aktionen nannten sie „Strafexpeditionen“). Heute sind manche von unseren
Kritikern gezwungen, die gleichen ... „unanständigen“ Aktionen zu
machen, da keine andere Möglichkeit gibt’s. Gegen die Demo wurde u.a.
argumentiert, dass auch Albaner unter den Mob waren. Erstens macht dieses
Argument transparent, dass diejenigen, die das sagen, den vollen
rassistischen Blick eingeübt haben: Sie können sofort die einen von den
anderen unterscheiden. Und zweitens, selbst wenn es so wäre, anstatt sich bewusst
zu machen, dass genau dies die berühmte Integration bedeutet und solche
Forderungen nach Assimilierung und „Hellenisierung“ sofort
abzustellen, benutzen sie es als Argument ... gegen die Demo. Andere wiederum werfen den DemonstrantInnen
vor, dass sie sich gegenüber der Bevölkerung undifferenziert aufgetreten sind
(„pauschale Verurteilung“). Was sollten sie es denn tun, wenn die
Bewohner selber nach so lange Zeit nichts gemacht haben, nicht mal einen
Finger krumm gemacht haben und dies nicht wegen Vernachlässigkeit: Gegen die Demo
konnten sie innerhalb von Minuten 40 bis 50 Heißblutige mobilisieren, innerhalb
von einen Monat hat nicht ein Einziger gegen die Täter und deren Beschützer
protestiert. Aber unabhängig von linken Wahrsager
und gründliche Suche nach den ... guten Amarynthen. Diese Menschen haben zwar
eine Reihe von ...“schwächen“, sind aber in einem Punkt korrekt,
in ihre Ehrlichkeit: „Ja, wir
haben die Hure vergewaltigt“ und andere ...“Volksparolen“ riefen sie gegen
die Demo mit der Gewissheit das Recht dazu zu haben (und die Macht es
auszuüben). Vielleicht wird denjenigen,
die ihrem Denken nicht an Programmen, Komitees, Organisationen und Ideologien
abgegeben haben bewusst das Ausmaß der Fäulnis und der Faschisierung der griechischen
Gesellschaft. Das gleiche gilt für die Angegriffenen: Wir wünschen ihnen, das
nächste Mal die richtige Maßnahmen zu ergreifen und den richtigen Zeitpunkt
auszusuchen. Und wenn die Anzahl es so nicht erlaubt... es gibt doch auch die
Nachtbesuche. Eins ist sicher: Trotz der
Fürsorge, die sie von all denjenigen erfahren, die sehr genau zwischen guten
und bösen unterscheiden können, trotz der Freunde des Mobs für deren „Sieg“,
werden ab nun die ND/PASOK/SYN/KKE/LAOS-Wähler ständig unruhig schlaffen. Das
ist doch was! Unsere Großeltern Flüchtlinge, unser Eltern Gastarbeiter und wir Rassisten (geschrieben an einer Wand
einer nordgriechischer Stadt) Griechenland ist schön, sie hat nur zu viele Griechen![3] Café Morgenland 21.11.2006 |
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[1] Phoolan
Devi war - nach einer Massenvergewaltigung die sie durch die Dorfmänner
widerfuhr - gezwungen, aus ihrem Dorf zu flüchten und „zu den Berge zu
gehen“. Sie kehrte Jahre später
zurück, diesmal als Anführerin eine Räuberbande und tötete 22 der insgesamt 24
ihre Vergewaltiger (die 2 waren an dem Tag abwesend).
Sie war und ist bis heute in Indien
das Symbol der Befreiung nicht nur der Frauen sondern auch der armen schichten
(untere Kasten) der dortigen Bevölkerung (ihre Bande war so ein Art Robin Hood,
sie raubten die Reichen aus und verteilten es an die Armen). In den 90er Jahren
wurde sie feierlich – nach dem sie amnestiert wurde – als
Abgeordnete der dortigen sozialistischen Partei gewählt (die Partei hatte in
ihre Walkreis nur 3%, sie bekam 40%!).
Phoolan Devi wurde 2001 auf offene
Strasse, auf dem Weg von Parlament nach Hause von 4 Männern ermordet (sie
nahmen Rache für ihre vor 20 Jahren stattgefundene Hinrichtungen). Ihre
Name wurde von denen, die nicht schreiben können in der Geschichte als die
„Königin der Blumen“ und als die „Königin der Banditen“
eingraviert, so wie sie mit Bewunderung bis heute von der
„Abschaum“ und die Stigmatisierten der dortige Gesellschaft genannt wird.
[2] Die griechische Linke ist wie der Name schon sagt: Rein
griechische Produkt und widerspiegelt die existentialistische Probleme und
Ängste des herrschenden kleinbürgerlichen Bewusstseins. Die Floskeln über
Internationalismen und andere –Ismen leiten sich aus den umgewandelten
Ideologien und nicht aus ihrem Bewusstsein ab. Ihr historisches Bewusstsein selbst, hat
längst Gedenktags- und Museumscharakter bekommen. In den Fällen, wo sie die internationale Linke nachmacht,
kopiert sie deren übelste Seite.
Mit Besonderheiten wie der griechische
Antiamerikanismus, der außer dem, was wir im Text über den Antisemitismus der
griechische Linke geschrieben haben, eine andere, entscheidend für ihre Linke
Konstitution Aspekt ausweist: Gemäß also diese Theorie, wird das arme
Griechenland und ihre arme Regierunge unter dem Diktat der USA unterjocht, die
das Land als Protektorat benutzt, die die Türken anstachelt, um die nationale
Grenzen zu verletzen, die das das Land mit albanischen Agenten infiltriert usw.
So werden die Täter zum Opfer. Die autonome und
autochthone ökonomische und politische Intervention und Einflusssphäre in den
Balkan-Länder aber auch in den arabischen Ländern, die Etablierung von
Abhängigkeitsbeziehungen überlebenswichtige Elemente der Wirtschaft der
früheren sozialistischen Ländern (Handel, Energie, Telekommunikation usw.), die
fortwährenden und unverhüllten Erpressungen und ultimative Forderungen nach
Unterwerfung in den Diktaten und Vorgaben der griechische Regierungen und des
griechischen Kapitals, verkommen für diese Linke zu Nebenschauplätze. Dieses
ungezügeltes rumlungern des griechischen Expansionismus und der (freiwilligen) Beteiligungen
an Militärinterventionen in fremden Ländern, sind für die griechische linke
kein entscheidender Bezugspunkt. Nur dann
wenn se dahinter ein Zusammenhang mit der
USA endecken (US-Hand, US-Vorgaben usw.) zeigen sie
interesse.
Karl Liebknecht
schrieb mal : „der Feind befindet
sich im eigenen Land“. Für die griechische Linke befindet sich weit
weg, im amerikanischen Kontinent. Somit erfüllt die Mehrheit der griechische
Linke ihre nationale Pflicht für die Mutter Heimat, in dem sie dies mit
antiimperialistischen Mantel verhüllt.
Fast die Gesamtheit der Linken (umso radikaler umso
schlimmer) weigert sich das griechische Volk so zu bezeichnen wie es auch ist:
rassistisch, nationalistisch, sexistisch, antisemitisch...
[3] α) «82,7% der Griechen verneinen
die Frage, ob sie sich vorstellen können, dass einige oder gar einzelne
Personen nicht griechischer Herkunft in Griechenland leben dürfen. Bei den
Portugiesen waren es 56,7%, bei den Engländer 48,9%, bei den Spanier 43,7% und
bei den Holländern 41%.
b) Die Griechen besetzen den letzten
Platz von allen Ländern bezüglich deren Toleranz gegenüber Menschen andere
Herkunft, Religion, Nationalität, jeder art von Migranten aber auch gegenüber
Homosexuellen.
g) Am meistens von anderen glauben sie
an die Wichtigkeit der Religion. Sie sind mehr als alle andere gegen das
miteinander von andere Religionen (aus „Europaweite Studie des nationale
Forschungszentrums“, 2003)