Café Morgenland

Die neo-Nazis verbrennen Synagogen,
den Nazigegnern wird der Prozess gemacht

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Der Brandanschlag auf die Synagoge von Chania vor einigen Tagen erinnert uns daran, dass die antisemitische, hasserfüllte Gewalt der Rechtsradikalen aktuell ist (1).
Außerdem bestätigt dies, dass die faschistische Bedrohung - entgegen der selbstverständlichen Überzeugung und der Gerüchteverbreitung mancher, dass die Stimmen, die das faschistische Wort artikulieren, nur eine Randerscheinung bzw. eine verschwindende Minderheit sind, eine unmittelbare ist.
Wir beharren auf dem Wort „unmittelbar“, nicht weil die Faschisten vor Wahlerfolgen stehen, sondern weil sie imstande sind, „von unten zu arbeiten“ und somit das Leben und die Sicherheit all derjenigen in Gefahr bringen, auf die sie mit ihrem Rassenhass zielen, aber auch all derjenigen, die sich gegen die Tradition der Kollaboration und der Bildung parastaatlicher Strukturen zur Wehr setzen(2).
Außerdem dürfen wir nicht vergessen, dass der Brandanschlag sowie alle anderen rechtsradikalen Gewaltakte in der letzten Zeit ein paar Monate nach der offiziellen Ankündigung des griechischen Staates, dass „in Griechenland keine rassistischen organisierten Gruppen existierten“ (3) erfolgte.  Die Wahrheit ist, dass Gruppen dieser Art nicht nur existieren, sondern dass sich einige von ihnen sich gar zu Parteien entwickelt haben, die das Vertrauen der Wähler einfordern, in Institutionen vertreten sind usw. Gleichzeitig –mit ihrer Teilnahme an demokratischen Institutionen, mit einer political-correct-Maske verschleiert,- machen sie parallel weiter mit ihren Angriffen, Drohungen und ihrer Zusammenarbeit mit der Polizei-Gewalt und –Repression. Die Behauptung also, dass keine griechische rassistische Organisationen existieren,  dient nur der Verschleierung der Tatsache, dass der griechische Staat eine verbrecherische Apathie bezüglich der Einhaltung seiner Verpflichtungen gegenüber internationalen Vereinbarungen gegen Rassismus zu Tage legt.
Vor wenigen Jahren haben wir die Anklage gegen den bekannten Faschistenvater Kostas Plevris unterstützt, als dieser wegen seines letzten Buches, das voll war von antisemitischem Hass, Bewunderung des 3.Reichs und Aufforderung, Auschwitz fortzuführen (eine Mischung à la griechisch von „Mein Kampf“ und „Die Protokolle der Weisen von Zion“) angeklagt wurde.
Nach dem provokanten Freispruch und seiner moralischer Rehabilitierung in einem Parodie-Prozess (der Staatsanwalt stimmte - bezüglich des Verbrechertums der Juden offen völlig mit dem Angeklagten-) hat die griechische Justiz ihr begonnenes Werk fortgeführt, indem sie eine juristische Jagd auf die Zeugen der Anklage startet, mit dem Argument, dass sie (die Zeugen) mit ihren Äußerungen „Unruhe unter den Bürgern hervorgebracht hätten“(4). Letzteres ist auch noch lächerlich, da der durchschnittliche griechische Bürger im besten Fall völliges Desinteresse zeigte oder nie etwas über den Prozess erfuhr. Dies passt aber zum political-correct-Bild, das wir vorhin erwähnt haben.
Wir möchten unsere uneingeschränkte Solidarität mit den  3 Mitgliedern der „Antinazi-Initiative“ bekunden, die verfolgt werden, weil sie die Unverschämtheit besaßen, sich gegen die neonazistische Barbarei zu stellen und sich mit den griechischen Juden – die von den Jauche der Befürworter  der „Endlösung“ bedroht werden – zu solidarisieren. Der Angriff gegen die Synagoge von Chania erinnert uns einfach daran, dass höchstaktuell  heute in diesem Land  gegen den Faschismus zu kämpfen ist. Wir werden alles, was in unserer Macht steht, tun, um das Fäulnis der griechischen Justiz ans Tageslicht zu bringen. Wir rufen alle, die immer noch antifaschistische Sensibilität besitzen, auf, das gleich zu tun.
 Terminal 119
Für die gesellschaftliche und individuelle Autonomie
13-10-2010


PS: Leider war das verbrecherisches Schweigen des griechischen Staates und der örtlichen Gemeinde von Chania im Zusammenhang mit dem antisemitischen Anschlag ein Willkommensgruß, der dem zweiten „erfolgreicheren“ Brandanschlag auf die Synagoge am 15 Januar entgegen gerufen wurde. Diesmal war der Anschlag besser organisiert: ein großer Teil des Archivs mit unschätzbaren historischen Werten wurde verbrannt. Wie es aussieht, werden die Kräfte, die die jüdische Existenz in Griechenland (die Erinnerung an sie) auslöschen wollen, durch die Strafffreiheit, die die Gesellschaft und die Institutionen ihnen gewähren, verstärkt und unterstützt. Wie es aussieht, ist Chania, derjenige Ort zurzeit, wo das Herz der neonazistischen Bestie am stärksten schlägt. Wir sind der Meinung, dass Versuche wie die der Antinazi-Initiative immer wichtiger werden und dass jegliche Aktion gegen solche Versuche, sowie jegliche Art vom Schweigen über die Intensivierung der Neonazi-Präsenz, im Grunde genommen, eine offene Einladung an Faschismus, Rassismus und Antisemitismus sind.

(1) Ein klares Zeichen des antisemitischen Charakters des Angriffs war auch, dass die Täter ein Stück Seife in die Synagoge geworfen haben (eine offensichtliche „Andeutung“). Wir sollten erwähnen, dass die Synagoge, als sie vor wenigen Jahren wiedereröffnet werden sollte, seitens lokaler Institutionen scharf angegriffen wurde (mit der Androhung von spontanen– soll heißen faschistischen Protestaktionen, seitens der Partei der linken „Synaspismos“ und der lokalen Pfaffen ). Bezeichnend für die Haltung der örtlichen Gemeinde gegenüber der Synagoge war auch die Tatsache, dass diejenigen, die die jüdische Gemeinde und der Feuerwehr  alarmierten, ein albanischer und ein marokkanischer Migrant waren. Wenn wir dazu  addieren, dass ebenfalls albanische MigrantInnen diejenigen waren, die die Synagoge in Larissa vor einem Jahr während einer linker Demonstration schützten, dann sollten wir den Faschisten-Spruch „Du wirst nie Grieche werden, Albaner“ unterstützen:
Wie es aussieht, können nur durch beharrliche Ablehnung der Integration auf griechischer Art, die MigrantInnen ihre Humanität bewahren und letztendlich auch ihre konsequente Haltung bezüglich des Schutzes der jüdischen Einrichtungen, die sowohl seitens der Linksradikalen wie seitens der Rechtsradikalen ins Visier genommen wurden.  http://abravanel.wordpress.com/2010/01/07/arson_in_chania_synagogue/  .  Siehe auch die Erklärung-Verurteilung von Diktio: http://diktio.org/node/182

(2) Eine detaillierte Darstellung der rechtsradikalen faschistischen Gewalt in Griechenland steht i der aufschlussreichen Reportage von „Ios“ „das  Jahr des schwarzen Terrors“  (03/01/10), http://iospress.gr/ios2010/ios20100103.htm

(3) Siehe “Reply of the Greek Government to the questions by the Rapporteur in connection with the consideration of the sixteenth to nineteenth periodic reports of Greece-August 2009”, Seite 6: http://cm.greekhelsinki.gr/index.php?sec=194&cid=3504 . Auch, in griechisch: „UNO-Empfehlungen an Griechenland bezüglich Minderheiten, Rom, rassistische Organisationen, Massenmedien und Asylantragssteller“,  31 August 2009, Seite 2: http://cm.greekhelsinki.gr/index.php?sec=192&cid=3511

(4) http://www.antinazi.gr/articles/dikiplevri/note011209.htm

 

 
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