Warum
Karl uns nicht mehr schreibt
Dem Andenken Karl Mayrhofers Gewidmet
Nachdem
wir, im Anschluss an die Veröffentlichung des Textes „Die Exekution des Volkszorns“
– u.a. – einige der zahlreichen emotional beladenen E-mails veröffentlichten, E-mails mit denen Faschisten, Linke und Menschenfreunde ihre Liebe und ihren Respekt
für uns zum Ausdruck brachten, sammelten sich einige dunkle Wolken
über die idyllische Landschaft von Bludenz in Österreich, welche die
Gefahr in sich bargen, Touristen (insbesondere Bergsteiger, da die Gegend eine
traditionelle Bergsteigerregion ist) und andere Naturfreunde abzustoßen.
Was
war geschehen?
Wie
es aussieht, lesen nicht nur die bekannten Institutionen der staatlichen
Überwachung ab und zu unsere Texte und beobachten beruflich unsere
Aktionen, sondern auch deutschsprachige Zeitungen (z.B. österreichische)
werfen einen – wohl regelmäßigen Blick – auf sie. Ein Ergebnis
davon war die (via Internet) Entdeckung der E-mail von Karl an uns, wo er seine End-Lösungen bezogen auf Serkan und seine
Familie vorschlug. Wie es aussieht, haben einigen seine Vorschläge gar nicht gefallen, und so machten sie
daraus einen Skandal, indem sie seine E-mail (in ihren Zeitungen)
veröffentlichten. Die örtliche Partei der Grünen hat gar Anzeige
wg. „Erfüllung des Tatbestand nach § 3g Verbotsgesetz sowie der
Verhetzung nach § 283 StGB und der Herabwürdigung religiöser
Lehren nach § 188 StGB " der österreichischen Gesetzgebung, wonach solche konstruktive
Vorschläge juristische Konsequenzen nach sich ziehen, erstattet. Darüber
hinaus verlangten sie die Absetzung von Karl aus der Kandidatenliste für
die Kommunalwahlen von Bludenz. Ergebnis war, dass ein solches Prachtexemplar
von Menschlichkeit und Aufrichtigkeit, der gerade seine strahlende politische
Karriere begonnen hatte, nicht nur von der Liste gestrichen wurde, sondern auch
seine Eigenschaft als Parteimitglied der FPÖ verlor.
Seitdem
haben wir von ihm keinen elektronischen Brief mehr erhalten.
Es
ist schade! Er hätte bestimmt weitere noch avantgardistischere
Vorschläge gemacht, da wir mit Sicherheit davon ausgehen können,
dass er – da er wie jeder durchschnittlicher Deutsche mit der zarten
Empfänglichkeit des deutschen Volkes kongenital gesegnet ist –
unsere Kritik an ihn zu Herzen genommen hat. Wir hatten ihn nämlich darauf
hingewiesen, dass seine
Euthanasie-Vorschläge für die „Koranferkel“ (i. A. Serkan
und Spyros), seine Forderung nach der Arisierung des Vermögens ihrer
Verwandten und sein gar kleinlicher Appell zur Abschiebung der
„Koranferkel“ langweilig, banal und gähnend waren; dass das
Dinge sind, die – sowohl unter den genuin Deutschen als auch unter den
Aspiranten – Klassen- und Weltanschauungsunabhängig zu
einheitsgewährenden / -bewahrenden und streitschlichtenden Hauptthemen
jeglichen Stammtisch- und Abendbrottischklönens gehören.
Es
ist schade! Grünen und Journalisten haben somit bewusst oder unbewusst
einen produktiven Gedankenstrom unterbrochen.
Wir
hoffen, dass andere Karls seinem Beispiel folgen würden, ihre
Bescheidenheit überwinden und uns ihre Lösungsvorschläge aktiv
und engagiert unterbreiten. Wir sagen, dass wir hoffen, weil wir sonst
weiterhin dazu gezwungen sein werden, uns mit den getarnten, chiffrierten
Lösungsvorschlägen der Linken jeder Couleur zu beschäftigen. Es
macht nämlich keinen Spaß mehr, sie sind langweilig geworden: sie
versuchen dauernd, Volksaufstände (Pogrome) zu unterstützen, wollen
aber nicht, dass man es ihnen merkt. Ja, es ist wahr: Wir bevorzugen die
Frische und die Aufrichtigkeit der Karls, statt dieses gehemmten Opportunismus
der Linken.
Karl, du wirst
uns fehlen!
Café Morgenland,
Μärz 2010