Café Morgenland
 
 

CM-Anmerkungen zu einem Brief
und ein Gastbeitrag der antifa negative/acdc

Ein Brief an das Bündnis „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ vom Dezember 1012

In den letzten Wochen, auch im Mölln Zusammenhang war Vieles noch mal zu durchdenken. Ein sehr ausführliches Gespräch mit Antifa's, daß dort demnächst ein Papier entsteht worin ein regelrechter Lernprozeß abgebildet sein soll. Kern dabei ist, daß das Einnahmen der Perspektive der von Rassismus betroffenen Menschen einen Bruch darstellt mit bisheriger Praxis. Ein Bestandteil dieses Bruches scheint zu sein, gesellschaftliche Hegemonie grundsätzlich rassistischer Positionen und Haltungen an der Erfahrung des "Das Erinnern zurück erkämpfen" selbst erfahren zu haben. Medien, Politik, örtliche Verbände und persönliche Artikulationen: Alles aus der Perspektive des deutschen Kleingartens formuliert- auch die 5 Bürgerinnen am Kaffehaustisch in Mölln, die einen Antifa anpöbeln, die Brandopfer seien Opfer ihrer eigenen kriminellen Verbindungen geworden waren; geschehen während der Demo am 17.11.

Symtomatisch auch der neulich weitergeleitete FAZ Artikel "Die Hoheit über das Gedenken", in dessen Subtext genau das zurück erkämpfte Erinnern angegriffen wird. CM bemerkte an diesem Text darüberhinaus die exakte Feststellung der Anzahl der in Mölln lebenden Migrant_Innen.

In dieser Gemengelage ist eine linke Position, welche an die Mehrheitsgesellschaft apellieren möchte hoffnungslos, gar entwaffnend. Dagegen stellt die Erfahrung des Freundeskreises, gerade wie er in dem FAZ Text beschrieben steht, eine kämpferische Position dar, wie sich im Verlauf der Möllner Woche auch deutlich zeigte. Letztlich waren die Landespolitiker gezwungen, den Opfern bis zum Schluß zuzuhören obwohl sie nach ihren Reden eigentlich nach Hause fahren wollten.

ZEITGLEICH wird endgültig bestätigt, daß  NSU zumindest z.T. aus V-Leuten bestand oder besteht, (dazu die Aussage des Bundesanwalts Förster vor dem Bundestags Untersuchungsausschuß) und daß der NRW Innenminister in dem Anschlag in der Keupstraße keinen Terror erkennen konnte (ebenfalls Bundestags Untersuchungsausschuß). Von dort auch: Unmittelbar nach diesem Anschlag waren Zivilbeamte am Tatort, während die Polizei erst 20 Min später kam.

Diese Art von Informationen nicht als Verschwörung zu verstehen, vielmehr ihre Tatsache als gesellschaftliches Geschehen auf unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen zu analysieren macht die Aufgabe richtig schwierig. Allerdings läßt sich hier konkret nachvollziehen, was Rassismus als Herrschaftsinstrument oder auch Herrschaftsform leistet. Angefangen bei der Verweigerung von Solidarität über den Zusammenschluß der Mehrheitsgesellschaft in Form von z.B. von Lichterketten bis hin zum mörderischen Tätigsein.


Wäre es vorstellbar, daß ein Nachkomme der jetzt in Berlin Protestierenden Präsident_In oder Kanzler_In in Deutschland sein könnte? In den USA mit der Geschichte des Kampfes gegen die Sklaverei und der Bürgerrechtsbewegung der 60'er sehr wohl. In Deutschland, dem Land mit dem Sklavenbewußtsein, verweigert der Bundespräsident den Familien der NSU Opfer einen Besuch. Tief grundiert im Nationalsozialismus und seinen Vorläufer_Innen: Rassismus als gesellschaftliches Verhältnis verschließt ALLEN den Weg zur Befreiung, während die politische Organisierung im Kampf gegen Rassismus und Rassismen nicht nur als Abwehrkampf verstanden zu werden braucht, sondern auch alle Optionen herrschaftliche Verhältnisse anzugreifen im Keim bereits enthält. Das sind Gedanken, die mal so zusammenfassen sollten, was zum "Einjährigen" des DTieMaD Zusammenhangs jetzt aus Mölln und auch dem "Ausflug" nach Wolgast, aus dem Flüchtlingsprotest in Berlin einschließlich seiner unmenschlichen Bekämpfung folgen könnte.

Eine Person aus dem Bündnis.

Anmerkungen dazu von Café Morgenland

daß das Einnahmen der Perspektive der von Rassismus Betroffenen Menschen einen Bruch darstellt mit bisheriger Praxis

Richtig, meinen wir, wäre es, „daß das Einnahmen der Perspektive der von Rassismus Betroffenen Menschen“ unter bestimmten Bedingungen dem Vorsatz förderlich sein könnte, „einen Bruch mit bisheriger Praxis“ einzuleiten. Der Vorsatz muss dem Akt der Empathie vorausgehen. Denn die Empathie als eine Verhaltensstrategie, mit dem Emotionszustand des Anderen umzugehen bzw. darauf zu reagieren, ist unmarkiert und damit pluripotent. Welchem Zweck das empathische Verhalten letztlich gedient haben wird, hängt von gänzlich anderen Faktoren ab, von Faktoren, die sich in das Gewebe des Vorsatzes konstitutiv einflechten.

In anderen Worten stellt die Einnahme der Perspektive der Angegriffenen von sich aus keinen Bruch dar, sondern eine Annäherung an das Verständnis des Zustands und der Empfindungen der Angegriffenen. Dieses Verständnis kann:

a) zu einer Genugtuung, zu Freude und Glück über das erzielte Ergebnis führen, wenn die betrachtende Person der Tätergesellschaft oder den Befürwortern der Täter angehört (je mehr Leichen desto grösser die Freude).

b) zur Erzeugung eines Samariters führen, der dem Opfer fürsorglich hilft

c.) zu Verhaltensänderungen führen, mit dem Ziel, sich der neuen Situation anzupassen, um dadurch in erster Linie der Möglichkeit der eigenen Gefährdung entgegen zu wirken (was oft bei den potentiellen Opfern zu beobachten ist)

d.) dazu führen, das Geschehen für eigene Zwecke zu instrumentalisieren, etwa das, was die Linke aller Couleur – insbesondere in D – seit eh und je praktiziert (was übrigens einen bedeutsamen Teil ihrer Existenzgrundlage ausmacht), um ihre höheren Ziele zu erreichen, oder zwecks Verkündung dubiöser Befreiungen… Dubiös, weil sie zum einen, quasireligiöse Prophezeiungen sind – im linken Jargon Ideologien genannt – und zum anderen neue Herrschaftsverhältnisse erzeugen.

Ein Bruch mit bisheriger Praxis“ wäre erst dann gegeben, wenn sich ein Individuum axiomatisch dazu entschlösse, ohne sein Tun und Lassen von dem Moment „Opfer“ abhängig zu machen, sich dem Vernichtungskollektiv auf allen Ebenen und Sphären wirksam zu widersetzen oder zumindest sich von ihm unmissverständlich loszusagen. Die – allem Anschein nach allgegenwärtige – Neigung, sich zu verweigern, Kenntnis von dem simplen, quasi-mathematischen Umstand zu nehmen, dass der Akt der Vernichtung dem Moment „Opfer“ notwendig vorausgeht, birgt das Potenzial, den ehrlichsten Samariter als den effektivsten Komplizen zu entlarven. Jeder sich um das Moment „Opfer“ herum konstruierende Diskurs ist bestenfalls ein Nekrolog. In jedem Fall aber wäre er, welcher Subkategorie er auch immer gehörte, eine Geschäftspraktik in einem Gewerbe, in dem mit der Währung Mord gerechnet wird, d.h., ein Gewerbe, das von dem Rohstoff „Opfer“ existenziell abhängt.

Die CM-eigene Axiomatik erfordert und gebietet eine „absolute Gegnerschaft gegen die Tätergesellschaft“; absolut, weil sich dieses Gebot allein aus einer Axiomatik ergibt ohne den kleinsten Bezug auf die sozialen Begleitumstände des Vernichtungsaktes, bzw. auf die Gründe, Motive, etc. des Täterkollektivs. Es (das CM) verweigert darüber hinaus jegliche Binnendifferenzierung und Skalierung auf der Seite des Vernichters. Es nivelliert programmatisch. Es weigert sich, zwischen demjenigen, der versucht oder gar es schafft, ein Mietshaus oder ein Flüchtlingsheim in ein Krematorium zu verwandeln, und demjenigen, der das ins Krematorium verwandelte Mietshaus bejubelt, und demjenigen, der das für den Markt der immateriellen Güter diskursiv verarbeitet, zu unterscheiden. Sie alle sind gleich- und vollwertige Macher und Nutznießer des Vernichtungsgeschäfts. Der Rest ist Politik, und sie gesellt sich selbstverständlich auch den Ersteren zu. Denn Politik stellt nichts anderes als die Regulierung des Vernichtungsgeschäftes mit – idealiter – zivilisatorischen Mitteln dar.

Jedes Individuum, das nicht zu den Vernichtern zählen will, hat die Wahl, sich gegen diese zu positionieren oder es sein zu lassen. Das erstere stellt für uns (CM) das Moment der Glückseligkeit und der Sinnhaltigkeit unseres Daseins dar. Jeder Schaden – ob biologischer, psychischer, gesellschaftlicher, materieller, usw. Natur – der den Tätern zugefügt werden kann, ist für uns ein Befreiungsakt (1).

Als Spin off, so zu sagen, kommt hinzu, dass dies und genau dies der Moment ist, in dem sich die Perspektive auf eine Beendigung der Angriffe gegen die Stigmatisierten, die Anderen, effektiv auftut.

Wir können mit dem Begriff der Befreiung nichts anfangen (wer wird von was befreit, wann, wieso und warum?). Sollten wir es aber trotzdem fertig bringen, uns unter einer Abart des Befreiungsnarrativs etwas Erstrebenswertes vorzustellen, würden wir diese Vorstellung mit der Prämisse „hier und jetzt“ versehen.

In dieser Gemengelage ist eine linke Position, welche an die Mehrheitsgesellschaft apellieren möchte hoffnungslos, gar entwaffnend

Vorab: Noch schlimmer wäre es, wenn sie Erfolg hätte.

Hier wird den heutigen Linken eine edlere Absicht unterstellt, was in keiner Weise stimmt. Allein die letzten 20 Jahre betrachtend (von noch früher ganz zu schweigen) haben wir mit einer völkischen, reaktionären Masse, die jegliches Verbrechen instrumentalisiert, jeglichen Auswuchs theoretischen Aberglaubens zum Klowand-Spruch verwandelt, um es an die Stiller-Ort-Besucher zu verkünden. Wo sie avantgardistisch agiert kommt nur Scheiße raus.

Antizionismus, Antiislamismus, Finanzhaie (aktuell „im Herz der Bestie“ (2) usw. sind reine, unverfälschte linke Produkte. Relativierung des Holocaust (z.B. durch Verordnung der Shoah in den arabischen Ländern und ihr Spiegelbild, die Gleichung Warschauer Ghetto = Gazastreifen) samt Umgang mit den Pogromen der 90er Jahre bzw. der NSU-Morde sind deren symptomatischer Ausdruck. Der Einspruch, dass nicht alle Linke so handeln usw. lassen wir nicht gelten, weil dies, von den nicht so Handelnden akzeptiert und respektiert wird, um den Familienzusammenhalt nicht zu gefährden. Im schlimmsten Fall „setzt“ man sich damit „auseinander“, aber niemals wird die Nabelschnur gekappt. Sollen wir an solche Momente, die bis heute andauern, erinnern? Hat je irgendeine Person oder Gruppe, die periodisch erscheinenden rassistischen Pamphlete in Konkret, in Bahamas, in JW, in Phase-2, in iz3w, in cafe-critique, in ca ira Verlag (z.B. der ideologiekritischer Kaffeesatzleser Gerhard Scheit), bei M. Künzel usw. jemals kritisiert? Das Gegenteil ist der Fall: Viele der Rassisten und manche der bemühenden Philosemiten finden Zugang und Beachtung in viele linke Blätter, Radiosendungen, Veranstaltungen und sonst wo. Man denkt nicht mal daran, sie zu kritisieren geschweige denn sie anzugreifen. Denn bekanntlich, „Deutsche bringen ihre Führer nicht um“, wie der Widerstandskämpfer von Trott auf den Hinweis des chinesischen Revolutionärs Lin Tsiu-Sen 1942 in Basel antwortete, der monierte: "Wenn ihr Hitler nicht töten könnt, dann tötet Göring. Wenn ihr Göring nicht töten könnt, dann tötet Ribbentrop. Wenn ihr Ribbentrop nicht töten könnt, dann irgendeinen General auf der Straße".

Aber auch bei den Auswüchsen des Alltags verstummen jegliche Kritik und jeglicher solidarischer Gedanke.

Z.B. bei Serkan, als fast die gesamte Linke das Ganze unter der Überschrift „rassistischer Angriff auf einen Rentner“ abhandelte.

Z.B. bei Babenhausen, als damals die Hamburger Gruppe Demontage, uns wg. der Demo gegen das Kaff angriff.

Z.B. bei der Konkret-Kritik „dieZeitschrift Konkret: made in Germany“ usw., usf. Und dabei handelt es sich hier nur um einen Bruchteil von Ereignissen – allein nach dem Kriterium des Vorhandenseins der Dokumentation ausgewählt.

All dies längst Vergangenheit? Von wegen. In der JW-internet-seite z.B. erscheint rechts von der Hauptseite, der Blog des JW- und Konkret-Autors Thomas von der Osten-Sacken (3). Aktuell erscheint ein Beitrag von ihm mit dem Titel „Wenn der Islamist vor Neid erblasst“. Es geht dabei um die faschistoide Demos und Aufstände der „französische Franzosen“ (Bahamas), also der Le Pen-, Kirche- und konservativen- Anhänger in Frankreich angesichts der angekündigten Legalisierung der Ehe von Homosexuellen. Die Tatsache selbst, dass im zivilisierten, liberalen, weltoffenen und.. und... und… Frankreich, ein homophobes Massengesindel (immerhin hunderttausende), der nicht mal vom körperlichen Angriffe gegen die Betroffenen scheut, sein Schaum vor den Mund und auf die Strassen bringt, ist für den Schreiber uninteressant. Erst wenn er dadurch seinen Islamhass artikulieren kann, wird dies zu nennens- und kommentierenswertem Ereignis. Klar, das Ganze kann unter dem Aspekt seiner chronischer Manie oder seines katholikoprotestantischem Eifer abgewickelt werden. Oder es wird als das genommen, was es ist: ein unendlicher antimuslimischer Hass, was folgerichtigerweise nach sich ziehen würde, dass man dagegen etwas unternähme. Nichts davon aber wird passieren, falls wir nichts dazu sagen (wofür wir aber nicht immer Lust haben). Sicher ist nur eins. Er und seinesgleichen (den er steht hier nur exemplarisch für unzählige Beispiele) werden demnächst in irgendeiner Veranstaltung ihre folgenschweren Analysen betreiben dürfen.

Symptomatisch auch der neulich weitergeleitete FAZ Artikel "Die Hoheit über das Gedenken", in dessen Subtext genau das zurück erkämpfte Erinnern angegriffen wird. CM bemerkte an diesem Text darüber hinaus die exakte Feststellung der Anzahl der in Mölln lebenden Migrant_Innen.“

Ergänzung: Ohne die FAZ im Geringsten entlasten zu wollen, müssen wir betonen, dass die Zählerei und Kontrolle der Kanaken ein immanenter und unkontrollierbarer Drang der Deutschen ist. Z.B. „In Kitas, in denen der Anteil von Kindern aus islamischen Familien bei oft mehr als 80 Prozent liegt..“ (Magnus Klaue in seinem JW-Artikel „Gott, die Welt und die Dorfgemeinschaft„ in dem er gegen die Einführung des Islamunterrichts in die deutschen Schulen wettete). Denn eine solche definitive Aussage setzt die Heranziehung von Statistiken voraus, die bei den Jugendämtern oder sonst wo sorgfältig erhoben worden sein müssen, was unwahrscheinlich ist, wg. des geltenden Verbots der Selektion nach Religion (weil damals irgendetwas schief ging). Aber wenn ja – da in Deutschland bekanntlich der Spruch „die Katze lässt das mausen nicht“ seine volle Gültigkeit hat – dann wird es brandgefährlich. Oder er hat selber vor Ort, durch Befragung der Kleinen oder durch Sortierung der Eintragungslisten nach den Namen der Kinder „recherchiert“. Nochmal, wir sprechen von linken Deutschen im Zusammenhang mit ihren alltäglichen wissenschaftlichen Tätigkeiten.

Rassismus als gesellschaftliches Verhältnis verschließt ALLEN den Weg zur Befreiung, während die politische Organisierung im Kampf gegen Rassismus und Rassismen nicht nur als Abwehrkampf verstanden zu werden braucht, sondern auch alle Optionen herrschaftliche Verhältnisse anzugreifen im Keim bereits enthält

Wenn die Gesellschaft selber und insbesondere die deutsche Gesellschaft ein Ganzes ist, ein Monolith, der weder ausdifferenzierungsmerkmale noch irgendwelche Risse je aufwies und aufweist, so bekommt der Begriff „herrschaftliche Verhältnisse“ eine ganz andere Dimension und Charakter. Der Dimension nach handelt es sich bei dieser Gesellschaft um ein Verbrecherkollektiv und der Charakter nach um ein demokratische. Demokratische, weil die absolute Mehrheit (oder wie wir es nennen, das organische Inventar im Lande) an das Verbrechen partizipiert, passiv und aktiv, damals wie heute.

Gesetzt dem Fall, dass diese Bewertung richtig ist, ist das Wort Herrschaft fehl am Platz. Denn dieser Begriff ist historisch besetzt und meint eine Elite, eine zahlenmäßige Minderheit, die gegen eine Mehrheit herrscht. In unserem Fall existiert so was nicht, sondern haben wir so etwas wie ein mörderisches Mehrheitskollektiv.

Und bevor über die Rettung durch Aufklärung nachgedacht wird: Diese Gesellschaftsformation ist nicht wie die schlafende Prinzessin aus dem Märchen, die auf ihren Prinz wartet, um wachgeküsst zu werden. Sie ist Hellwach. Wach wie ein Wachhund. Daher sind ganz andere Gedankengänge und Handlungen zu überlegen als die bis dato erträumten. Dabei ist nichts Rosiges zu erwarten. Nur Isolation, Verstoß, Häretikerstatus, Fremdkörper… Eben, Befreiung.

Wir glauben zu wissen von was wir sprechen. Immerhin 20 Jahre CM-Einsamkeit, zumal wir nicht mal als Opfer brauchbar/instrumentalisierbar – aufgrund unserer Weigerung, in diese Rolle zu schlüpfen – sind, ist Nachweis genug.

Fazit: Nichts von dem, was die Linke tut, ist falsch. Sie ist weder fehlgeleitet noch dumm, nur konsequent. Mit tödlicher Konsequenz für die Anderen.

Es bleibt nur noch eins, die eigenen Konsequenzen daraus zu ziehen. Alles andere ist längst gelaufen.

Café Morgenland, 8. Dezember 2012

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1 „wenn ein Landarbeiter sein Kolonialherr tötet, so ist das Ergebnis dieser Tat nicht ein Mörder und sein Opfer, sondern ein freier Mensch und ein Toter Mensch“ (sinngemäß nach J. P. Sartre)

2 „ Finanzkapital“: Für das kapitalistische System als das von Menschen geschaffenes humanistischstes (weil Menschenwesentlich) gesellschaftliches Beziehungsgeflecht, ist der Stoff aus dem Ausbeutung bzw. Profit entsteht völlig irrelevant. Das System hat keine stofflich begründete Priorität auf irgendein Ding. Ausschließlich und nur der Grad der Profithöhe ist entscheidend. So z.B., wenn das Drucken und verkaufen der MEW (Marx-Engels-Werke) eine Profitrate von 500% erzeugen könnte, wären Verkaufspaläste entstanden, wo jeder Geldhaus verblasen würde, würden die blutigsten Kriege für die Vorherrschaft des MEW-Marktes entstehen, wo manche 30- jährige Kriege wie Kinderkriegsspiele erscheinen würden, würden die übelsten Druckereifabriken mit eklatanten Ausbeutungsverhältnissen entstehen, wo die neulich ausgebrannte Textilfabrik in Bangladesch als Oase der Menschlichkeit erscheinen würden usw. Dass die Banken zum Linken Repertoire/Kampfbegriff und zwar an erste Stelle gehören, liegt nicht an der Natur der Sache sondern an der deformierte Natur der Linken. Zum einen weil, wie üblich bei Menschen, das was man nicht hat (in dem Fall Geld, und davon ist ein aufrechter linker angehalten wenig zu haben) am meistens begehrt wird und zum zweiten stellt der Volksfeind Bank (und infolge dessen der jüdische Schacherer, der Parasit, der Blutsäuger usw.), als Gegensatz zu der handwerklichen, ehrlichen Arbeit, eine sehr wichtige Mobilisierung der Volksmassen.

3 Wenn irgendjemand den Begriff „Islamnazis“ verwendet, so ist es klar, es handelt sich um das Bemühen, den Nationalsozialismus zu relativeren. Wenn dazu noch dieser Begriff von einem Deutschen (Thomas von der Osten-Sacken) verwendet wird, so handelt es sich ausschließlich und nur um die Entlastung seiner Population von der Last des Holocaust.


Gastbeitrag der antifa negative/acdc

Offener Brief an die Zeitschrift “Konkret“

Liebe Konkret-Journalisten,

Uns war schon mal die Gunst gewährt worden, Linksdeutschen als folkloristische Attraktion herhalten zu dürfen: vor Kurzem hatten wir das Vergnügen mit unserem balkanischen Extremismus ihre angesehenen Kollegen von der Zeitung Jungle World zu unterhalten.
Etwa zu diesem Zeitpunkt mussten wir aber bedauerlicherweise merken, dass uns die Perseveranz auszugehen drohte, und so trafen wir um unseres delikaten mentalen Gleichgewichts willen die Entscheidung, uns nie wieder um die Angelegenheiten der Antideutschen (soll heißen: Deutschen) zu kümmern.
Ein paar Worte zum journalistischen Ethos der Jungle World-Beschäftigten: Sie stellten zwar Recherchen über Rassismus an und interviewten MigrantInnen, begruben aber unsere Ansichten, indem sie eine pro-griechische außenpolitische vorgehensweise bevorzugten, als wären sie das Außenministerium der deutschen Linken.
Sie haben es irgendwie hingekriegt, ein 3stündiges Interview in gerademal 7 Zeilen wiederzugeben, und das in einem Artikel voller Lobgesänge für den antifaschistischen Widerstand in Griechenland. Dies stellt für uns eine Beleidigung dar, weil sie erstens darin die Tatsaschen über die konstanten Erfolge der Faschisten und die diese unterstützende griechische Gesellschaft verdrehen, und zweitens dies mit dem Ziel tun, ihre eigenen ideologischen Fantasien zu warten und eine Vergrämung ihrer griechischen Freunde abzuwenden.
Sie brachten ein Transparent mit der Aufschrift „wir sind alle Griechen“ auf dem Akropolis-Hügel an (!), obwohl wir ‑­
– und die MigrantInnen in unserer Gruppe mit aller Vehemenz – sie darauf hingewiesen hatten, dass diese Aktion als eine politische Geste uns nur Schaden bringen und allein dem griechischen antiimperialistischen Nationalismus zugute kommen würde
Sie agierten wie die typischen Mainstream-Reporter, indem sie, um angeblich Recherchen über Angelegenheiten wie Rassismus und Faschismus anzustellen, für 2 Wochen nach Griechenland kamen, 3-4 MigrantInnen interviewten, die sie 3 Tage vor ihrer Rückreise getroffen hatten, nachdem sie sich auf jeder „radikalen“ Technoparty gezeigt hatten.
Sie haben vermieden, über Dinge zu berichten, die in Widerspruch mit ihrer Ideologie standen, so z.B. dass muslimische Migranten es waren, die versucht haben, die in Brand ‑­gesteckte Synagoge von Chania (auf Kreta) zu retten. Diese Haltung könnte höchstens mit dem einer rechtsliberalen Zeitung verglichen werden.
In einem dreiviertelstündigen Interview befragten sie die autonome Gruppe terminal-119 über die Verjagung der Drogensüchtigen (vorwiegend MigrantInnen) in Exarcheia und sie verloren in ihrem Bericht kein einziges Wort darüber, obwohl sie hoch und heilig beteuert hatten, das Thema sei für sie sehr wichtig.
Hinzu kommt, dass wir eine negative Erfahrung auch mit der Konkret haben. Ihre Zeitschrift brachte vor einigen Jahren einen schamlosen Propaganda-Artikel von Eberhard Ronholz darüber, wie angeblich die Griechen ihre jüdischen Mitbürger gerettet hätten. Die Kritik darüber seitens der Gruppe terminal-119 wartet immer noch auf Veröffentlichung.
Der Hauptgrund, warum wir uns weigern, ein Interview mit euch zu führen ist, dass wir nicht möchten, das anti-antisemitische Mosaiksteinchen in einem kritiklosen Bild der „radikale Szene in Griechenland“ zu werden, weil dieses Mosaik krasse Gegensätze nebeneinander stellt, d.h. die fanatischen Antisemiten neben ihre Gegner, nur weil dies Ihnen so passt.
Es lohnt sich darüber hinaus zu erwähnen, dass all diese linksradikalen Touristen mit ihrer Sensibilität für den Antisemitismus (in Deutschland) sich über den griechischen Antisemitismus, der ein struktureller und konstitutiver Baustein der Linken und der Anarchisten in Griechenland ist und bleibt, in verdächtigem Schweigen hüllen.
All das demonstriert uns zuverlässigerweise, dass der Antisemitismus der griechischen Linke keine journalistische Erwähnung in den linksradikalen Zeitschriften in Deutschland finden wird,

es sei denn, die griechischen Anarchisten konvertieren zum Islam!

Hochachtungsvoll

Antifa Negative/Casa del Campo                                                                    Dezember 2012

PS: Selbstverständlich fordern wir den Abdruck dieses Briefes

 

 
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