Café Morgenland
 

Vorwort zur Aktualität von „Antisemitismus unter den MigrantInnen

 

(ausgestrahlt als Kolumne im Radio FSK, am 03.02. Anhören/Downloaden 

Am 19.01.2014, veröffentlichte die Gruppe „Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen“ eine „Solidaritäts“erklärung für die um Bleiberecht protestierenden Flüchtlingen in Israel. Wir werden hier nicht im Einzelnen die antisemitischen Tiraden in der Erklärung erläutern, da solche Erklärungen – geschrieben im besten linksdeutschen Jargon –  keine Besonderheiten  aufweisen. Sie gehen im eisernen Anspruch solcher Gruppen auf, gleichberechtigt mit der Mehrheitsgesellschaft in Sachen Antisemitismus agieren zu dürfen. Wo diese Gleichberechtigung gelingt, handelt es sich um die höchste Form der Integration.

 

Bemerkenswert allerdings ist die Feindortung bzw. das Ausschlussverfahren, das diese Gruppe vornimmt, wenn es um MigrantInnen bzw. um Flüchtlinge jüdischer Herkunft geht.

Falls die  Absurdität des Ganzen nicht weiter aufgefallen sein sollte, hier nochmal konzis: Ein Gruppe von Flüchtlingen und MigrantInnen, die sonst vehement dagegen ist, Flüchtlinge und MigrantInnen in gute und böse, in berechtigte und unberechtigte, in wirtschafts- und politisch verfolgte Flüchtlinge zu unterscheiden und zu kategorisieren protestiert dagegen, dass Israel, eine bestimmte Gruppe von Menschen in sein Staatsterritorium aufnimmt und ihnen gar die Staatsbürgerschaft gewährt!

 

„Diesen Flüchtlingen (gemeint sind die Palästinenser,  cm) wird die Rückkehr in ihr Land strengst verweigert, obwohl der Staat Israel Migranten jüdischer Herkunft aus aller Welt, die in den meisten Fällen keine Flüchtlinge sind und eine andere Staatsangehörigkeit besitzen, eine Migration in das Land und den Erwerb der israelischen Staatsangehörigkeit erlaubt.“ (aus der Soli-Erklärung, http://thecaravan.org/node/4007).

 

Die Verfasser dieser ‚Solidaritätserklärung‘ wissen demnach einiges über die Beweggründe dieser bevorzugt behandelten Menschen, etwa, dass sie „in den meisten Fällen keine Flüchtlinge sind“. Sie wissen auch – man staune – dass sie „eine andere Staatsangehörigkeit besitzen“. Wir selber wissen nicht, welcher Teil dieser Aussage als die größere Anmaßung empfunden werden soll. Die größte ist sicher, dass es sich um Jüdinnen und Juden handelt. Das genügt. Das weiß die Karawane und das wissen alle wohlwollenden Flüchtlingshelfer.

 

Sie verschwenden nicht den geringsten Gedanken daran, warum Jüdinnen und Juden aus anderen Ländern abhauen und nach Israel einwandern.

Sie wissen nichts über antisemitische Pogromstimmung in verschiedenen Ländern – mit und ohne gewährter Staatsbürgerschaft.

Sie wissen nichts über unzählbare Angriffe auf Jüdinnen und Juden und auf ihre Einrichtungen, Gotteshäuser oder Friedhöfe.

Sie haben noch nie davon gehört, dass Israel und entsprechend seine Gesetzgebung, ein Zufluchtsort für diese verfolgten Menschen ist.

Sie wissen auch nicht, dass, diese „Migranten jüdischer Herkunft“ – wie sie in der Erklärung genannt werden – im Verfolgungsfall nicht mal die Möglichkeit haben, ausgewiesen zu werden, da sie gar kein Herkunftsland haben. D.h., ohne Israel, wären sie den jeweiligen antisemitischen Gesellschaften ausgeliefert.

 

Die Argumentation der „Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen“ ist eine anstandslose Übernahme der Denk- und Handlungsweise hiesiger Kanakenfresser. Auch sie definieren und kategorisieren die Flüchtlinge und MigrantInnen in Bleiberechtberechtigte und –unberechtigte. Man denke allein an die aktuelle antiziganistische Hetze über gute Arbeitskräfte aus Bulgarien/Rumänien – die hier malochen wollen (und „unsere Sozialkassen“ füllen) – und über die „sozialschmarotzenden“ Roma aus Bulgarien/Rumänien, die das Sozialsystem Deutschlands sprengen wollen. Oder man bemühe die altbekannte Gegenüberstellung von politisch verfolgten versus Wirtschaftsflüchtlingen.

 

Antisemitismus macht blind. Das ist bekannt. Gelegentlich macht er selbstmörderisch. Auch das ist nichts Neues. Sämtliche Selbstverständlichkeiten im Kampf „gegen Staatsunterdrückung und [...] gegen Kolonialismus und Rassismus“ werden preisgegeben, sobald sich im gemeinsamen Hass auf Juden ein Konsens abzeichnet. Direkte Verbindungen ergeben sich – das hätte man sich fast schon denken können – zwischen der „Denkart des zionistischen Projekts“ und der Umsetzung einer westlichen Politik, die als „der direkte Grund“ der Flucht (mutmaßlich) nichtjüdischer Menschen aus ihren jeweiligen Herkunftsländern ermittelt werden kann.

Wir selber wissen wenig über direkte und indirekte Verbindungen zwischen der Existenz Israels und den einzelnen oder allgemeinen Gründen von Menschen, ein Herkunftsland zu verlassen. 

Unser tiefer Respekt gilt daher den vielen Flüchtlingen und MigrantInnen, die sich weigern ihre Kämpfe in einem antisemitischen Streichelzoo münden zu lassen.

 

Anstatt auf den „Solidaritätsbekundung“ der Karawane näher eingehen zu wollen, möchten wir auf einen eignen älteren Text  aus dem Jahr 1997 verweisen. Denn was vor 17 Jahre gesagt wurde, hat heute leider wenig an Aktualität verloren.

 

Café Morgenland, 31.01.2014

 

Antisemitismus unter den MigrantInnen

http://www.cafemorgenland.net/archiv/1997/1997.05.05_antisemi.htm

Café Morgenland